Die Grenze im Kopf der Investoren

München - Deutsche Kapitalanleger verschenken Geld, weil ihre Anlagestrategie an den Grenzen haltmacht. Das ist das Ergebnis einer Erhebung von Schroder Investment-Management.

Die deutschen Anleger haben klare Vorstellungen davon, wer in der Weltwirtschaft künftig die Rolle der Lokomotive innehat: China, sagen 52 Prozent. Das ergab die Erhebung zur Studie "Internationales Investieren" von Schroder Investment-Management und der Marktforschungsgesellschaft GfK. 13,1 Prozent setzen auf Indien, 11,4 Prozent auf Russland und lediglich 0,6 Prozent rechnen mit der EU.

Doch wenn es ums eigene Anlageverhalten geht, wird diese Erwartung völlig ausgeschaltet. Nur 38 Prozent der Anleger, die mit dem weiteren Aufstieg Chinas rechnen, halten es für sinnvoll, innerhalb der nächsten zwei Jahre dort zu investieren.

Bei den Anlegern, die Indien bessere Chancen geben, sind es immerhin 47 Prozent, die dort in nächster Zeit auch investieren wollen, bei Russland sind das 35 Prozent. Auch das tatsächliche Verhalten deutscher Anleger ergibt ein ganz ähnliches Bild: 83,4 Prozent haben in Deutschland investiert. 32,3 Prozent wagen sich wenigstens mit ihren Anlagen ins europäische Ausland, 8,1 Prozent in die USA, 3,7 Prozent nach China und 1,8 Prozent nach Indien.

Damit vergeben die privaten Geldanleger Rendite-Chancen, kritisiert Schroder-Geschäftsführer Achim Küssner. Sie tragen, wie er sagt, ein "Klumpenrisiko". Das heißt: Ihre Anlagen sind sowohl sektoral als auch regional zu schwach gestreut, weil sie sich in ihren Investitionsentscheidungen nicht über ihnen Bekanntes hinaustrauen.

Bricht ein Sektor oder ein nationaler Markt ein, ist man mit dem Wertverfall der eigenen Geldanlagen dann auch voll dabei. Zwar ist ausgerechnet der deutsche Aktienmarkt in den letzten Jahren vergleichsweise gut gelaufen. Doch der Blick nach Spanien oder Italien führt vor Augen, wohin eine auf ein einzelnes Land beschränkte Anlagestrategie führen kann.

Dabei ist es Vorsicht, die die Anleger in dieses Klumpenrisiko treibt: 50,8 Prozent der heimattreuen Anleger halten internationale Investitionen für zu riskant, 43 Prozent führen an, sie kennen sich zu wenig aus, und 15,1 Prozent fürchten eine Rezession im jeweiligen Land.

Das Bemerkenswerte: Die meisten Befragten setzen auf Produkte, die von Experten gemanagt werden, die die genannten Risiken bei einer internationalen Anlage im Blick haben. 64,7 Prozent setzen bei ihrer Anlage unter anderem auf Investmentfonds. Diese führen in der Anlegergunst vor Fest- und Tagesgeld-Konten, auf denen 60,9 Prozent Geld angelegt haben, und Aktien (46,3 Prozent).

Deshalb sieht es Küssner als Herausforderung an, die Anleger besser über Investments außerhalb Europas und insbesondere in Schwellenländern zu informieren. Emotional wisse der deutsche Anleger, wo die Musik in Zukunft spielt, doch "rational agiert er noch nicht", folgert Küssner aus den GfK-Zahlen.

Besonders aktive Manager des eigenen Portfolios sind die Deutschen nicht. Das ist ein zweites Ergebnis der Studie. Nur 26 Prozent schichten ihre Anlagen mehrmals jährlich um, 16 Prozent einmal im Jahr, 37 Prozent noch seltener und 21 Prozent nie.

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