Gribkowsky-Prozess wird fortgesetzt: Ex-Landesbanker wieder fit

München - Er ist wieder prozessbereit: Nachdem ein Gutachter Ex-Landesbanker Gerhard Gribkowsky Verhandlungsunfähigkeit bescheinigt hatte, geht der Prozess um die Formel-1-Affäre jetzt weiter.

Gut sieht er aus. Wie immer lächelt Gerhard Gribkowsky, als er gestern nach zwei Wochen zum ersten Mal wieder den Verhandlungssaal im Münchner Strafjustizzentrum an der Sandstraße betritt. Er trägt einen schwarzen Dreiteiler, wie immer Krawatte und Einstecktuch. Seit inzwischen fast 14 Monaten sitzt der ehemalige Risikovorstand der Bayerischen Landesbank im Gefängnis München-Stadelheim in Untersuchungshaft, seit Oktober läuft der Mammutprozess wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung.

Das geht auch an Gribkowsky entgegen dem äußeren Anschein nicht spurlos vorbei. Vor gut zwei Wochen musste das Gericht den Prozess unterbrechen, ein psychiatrischer Gutachter bescheinigte dem Ex-Manager, nicht verhandlungsfähig zu sein. Damit stand bis gestern das komplette Verfahren auf der Kippe. Denn hätten die Ärzte Gribkowsky für mehr als zehn Wochen krankgeschrieben, hätte der Prozess wieder von vorn beginnen müssen. Noch einmal hätten Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und die ehemalige Führungsriege der Landesbank aussagen müssen. Die Staatsanwaltschaft wirft Gribkowsky vor, beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB 2005 von Ecclestone und dessen Familienstiftung Bambino mit rund 44 Millionen Dollar bestochen worden zu sein. Gribkowsky schweigt vor Gericht, hatte aber zuvor Ermittlern gegenüber von Beratungshonoraren gesprochen, die ihm zustünden.

Doch all das muss nun nicht noch einmal vor Gericht ausgebreitet werden. „Fühlen Sie sich in der Lage, der Hauptverhandlung zu folgen und sich angemessen zu verteidigen?“, fragt der Vorsitzende Richter Peter Noll gestern den Angeklagten. Gribkowsky antwortet mit nur einem einzigen Wort: „Ja.“ Auch der Gefängnisarzt und die psychiatrischen Gutachter stimmen zu.

An welcher Krankheit der Ex-Manager leidet, soll nicht bekannt werden. Als der Gutachter ihn vor zwei Wochen krankschrieb, war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Verteidiger sagten gestern, es handle sich um eine körperliche, nicht um eine psychische Erkrankung. Der psychiatrische Gutachter habe nur über die seelischen Auswirkungen der Krankheit berichtet. Bekannt ist, dass Gribkowsky bereits vor der Haft am Herzen operiert werden musste.

Dass ihm die Haft grundsätzlich zusetzt, merkt man auch während der Verhandlung: Gribkowsky hat ständig Hunger. Seine Verteidiger bringen ihm deshalb Brezn mit, die er mit Genehmigung des Richters während des Prozesses essen darf.

Nun ist Gribkowsky jedenfalls wieder so fit, dass er dem Prozess folgen kann. Weil das Gericht wegen des unsicheren Gesundheitszustands aber keine Zeugen für den gestrigen Tag laden konnte, wird erst am Mittwoch weiterverhandelt. Gestern verlas Noll nur die Akten über eine Vorstrafe Gribkowskys aus dem Jahr 2008. Der ehemalige Formel-1-Manager fährt auch selbst gern schnell: Weil er auf der Überholspur drängelte, rechts überholte und zu schnell unterwegs war, verurteilte ihn ein Gericht in Franken zu einer Geldstrafe und sieben Monaten Führerscheinsperre. Die Geldstrafe fiel wegen seines damals hohen Einkommens selbst für einen Banker schmerzhaft aus: 37 500 Euro.

Philipp Vetter

Rubriklistenbild: © dpa

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