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Formel-1-Chef Bernhard Ecclestone im November 2011 im Landgericht in München.

Für Formel-1-Chef wird's eng

Wird Ecclestone an diesem Wochenende verhaftet?

München - Es wird eng für Ecclestone: Der verurteilte Ex-Vorstand der BayernLB, Gerhard Gribkowsky, sagt gegen den Formel-1-Chef aus. Könnten die Handschellen klicken, wenn Ecclestone an diesem Wochenende nach Deutschland kommt?

Es ist eine kleine Sensation: Gerhard Gribkowsky, der wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung verurteilte Ex-Vorstand der Bayerischen Landesbank, arbeitet nun doch freiwillig mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Wie unsere Zeitung aus mit dem Verfahren vertrauten Kreisen erfuhr, sagte Gribkowsky bereits am Dienstag vergangener Woche mehr als acht Stunden lang bei den Ermittlern aus – obwohl ihm ein Aussageverweigerungsrecht zugestanden hätte.

Gribkowsky hat nach Ansicht der Münchner Richter 44 Millionen Dollar Schmiergeld von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone beim Verkauf der Rennserie im Jahr 2005 angenommen. Das Gericht verurteilte ihn dafür zu achteinhalb Jahren Haft. Gegen Ecclestone läuft bei der Staatsanwaltschaft München deshalb ein Ermittlungsverfahren wegen Bestechung und Beihilfe zur Untreue. Der 81-jährige Formel-1-Chef weist die Vorwürfe zurück und behauptet, von Gribkowsky erpresst worden zu sein.

Zwar hatte der Ex-Landesbanker Ecclestone schon mit dem Geständnis in seinem eigenen Verfahren schwer belastet. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte nach dem Prozess aber: „Wir brauchen Gribkowskys Aussage zwingend als Hauptbeweismittel.“ Doch zu dieser Zeugenaussage hätte man Gribkowsky auf absehbare Zeit nicht zwingen können. Der Ex-Banker hatte gegen das Urteil Revision eingelegt, damit bleibt es bis mindestens zum Jahresende nicht rechtskräftig. Solange das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen ist, darf Gribkowsky die Aussage verweigern.

Nun die überraschende Wende: Gribkowsky sagte freiwillig umfangreich aus. Nach Informationen unserer Zeitung belastete er dabei nicht nur Ecclestone schwer. Auch die Vertreter des heutigen Mehrheitseigentümers, des britischen Finanzinvestors CVC Capital Partners, müssen nun wohl zittern.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte den Vorgang auf Anfrage nicht kommentieren. Auch Gribkowskys Kölner Verteidiger Dirk Petri sagte gegenüber unserer Zeitung: „Dazu gebe ich keine Stellungnahme ab.“

Ecclestone bestreitet, Gribkowsky bestochen zu haben. Der Banker habe ihm gedroht, ihn bei den britischen Steuerbehörden anzuschwärzen. Gribkowsky habe zwar nichts gegen ihn in der Hand gehabt, er habe ihm die Millionen dennoch als eine Art Schweigegeld gezahlt. Gegen Ecclestones Version sprechen neben Gribkowskys Geständnis auch zahlreiche Zeugenaussagen und Indizien.

Die Nervosität ist groß bei allen Beteiligten. Eigentlich sollte die Zusammenarbeit zwischen dem Ex-Banker und den Ermittlern geheim bleiben. Vermutlich, weil hinter den Kulissen hektisch verhandelt wird. Denn Gribkowsky wird sich seine Kooperation wohl honorieren lassen. Verhandeln könnte er beispielsweise über Hafterleichterungen oder darüber, dass sich die Staatsanwaltschaft nicht gegen eine Verkürzung der Strafe aussprechen wird, wenn Gribkowsky mit seinen Aussagen dafür sorgt, dass auch andere Beteiligte hinter Gittern landen. Gemunkelt wird unter anderem, dass Gribkowsky auf keinen Fall zu den Schwerverbrechern ins Gefängnis Straubing verlegt werden will.

Für Ecclestone wird es nun eng. Mit Gribkowsky als Belastungszeuge könnte die Staatsanwaltschaft früher als gedacht Anklage gegen ihn erheben. Oder noch schlimmer für Ecclestone: einen Haftbefehl beantragen. Denn Gribkowskys Aussage kommt genau zum richtigen Zeitpunkt für die Ermittler. Am heutigen Freitag beginnt auf dem Hockenheimring der Große Preis von Deutschland mit dem ersten freien Training. Traditionell kommt auch der Formel-1-Chef selbst zu jedem Rennen. Schon seit Tagen wird spekuliert, dass er diesmal nicht kommen könnte, weil er befürchtet, dass sonst die Handschellen klicken. Er selbst gibt sich wie immer gelassen. „Ich muss dahin, um mit den Leuten vor Ort zu sprechen. Ich werde am Samstag dort sein“, sagt er laut „Hamburger Abendblatt“. Schon vor Tagen hatte er sich in der britischen „Daily Mail“ geäußert: „Ich glaube nicht, dass mir deutsche Gefängnisse gefallen – was soll ich also dort?“

Philipp Vetter

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