Griechenland erschlich sich Euro-Beitritt

- Brüssel/Athen (ap) - Griechenland hat den Beitritt zur Eurozone nur mit Hilfe falscher Defizitzahlen geschafft. Dies geht aus einem aktuellen Bericht der EU-Statistikbehörde Eurostat hervor, wie aus diplomatischen Kreisen in Brüssel verlautete. "Die griechischen Zahlen haben von Anfang an nicht gestimmt", hieß es. In Athen räumte Finanzminister George Alogoskoufis ein, dass die Zahlen auch für die entscheidenden Jahre falsch gewesen seien. Mit Konsequenzen muss Griechenland vorerst aber nicht rechnen.

<P>Die Finanzminister der Eurozone wollten über den Fall gestern Abend in Brüssel beraten. Der Sprecher von EU-Währungskommissar Joaqu´in Almunia schloss einen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone allerdings aus. "Dafür gibt es keine rechtliche Basis", sagte Sprecher Gerassimos Thomas. Diplomaten betonten, die neue Regierung in Athen kooperiere mit der EU in diesem Fall. Deshalb wäre es unklug, das Mittelmeer-Land jetzt zu bestrafen. Eine bereits diskutierte Möglichkeit wäre, Griechenland die EU-Hilfen aus Brüssel zu kürzen.</P><P>Ein Kriterium für den Euro-Beitritt ist, dass die Neuverschuldung eines Kandidaten drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht übersteigt. In den maßgeblichen Jahren 1998 und 1999 wies Griechenland nach jüngsten Zahlen aber eine Neuverschuldung von "erheblich über drei Prozent" auf, wie es hieß. Bereits im Sommer war bekannt geworden, dass die mittlerweile abgewählte griechische Regierung seit 2000 falsche Zahlen nach Brüssel gemeldet hatte. Offen blieb, ob dies auch davor schon der Fall war. Um dies herauszufinden, war eine Delegation von Eurostat nach Athen gereist.</P><P>Nach jahrelangem Hickhack um die Defizitsünder Deutschland und Frankreich beschädigt der Athener Zahlen-Skandal nun die Glaubwürdigkeit und Stabilitätskultur der 1999 geschaffenen Gemeinschaftswährung und ihrer Institutionen, sagten EU-Diplomaten. Im Blickfeld stehen dabei die EU-Kommission und die Statistikbehörde der Gemeinschaft.</P><P>Die EU-Kommission hat bereits angeregt, die Standards für die zu erhebenden Daten zu verbessern. Diplomaten äußerten Unverständnis darüber, dass die EU-Kommission und Eurostat über Jahre hinweg nichts von der Zahlenfälschung merkten. Der Fall Griechenland "untergräbt das Vertrauen, in vielerlei Hinsicht", sagte ein Diplomat.<BR>Eine Münze, die es nicht geben dürfte, wäre alles mit rechten Dingen zugegangen.</P>

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