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Griechischer Ferientraum: Die meisten Urlauber zieht es auf die griechischen Inseln, auf denen von Streiks und Krawallen nichts zu spüren ist. Dennoch sind die Buchungen heuer deutlich rückläufig. 

Griechenland: Urlauber zurückhaltend

München/Athen - Griechenlands Wirtschaft ist in hohem Maße vom Tourismus abhängig. Doch ausgerechnet in diesem Bereich trüben sich die Aussichten. Vor allem deutsche Touristen sind durch verbale Attacken und Unruhe im Land abgeschreckt.

Sirtaki, Tzatziki und weiße Häuschen mit blauen Fensterläden am Meer: Diese Vorstellung war einmal. Das typische Griechenland-Bild hat in den vergangenen Monaten Schaden genommen. Verwackelte Kamera-Aufnahmen von Polizisten mit Schlagstöcken, vermummten Steinwerfern und brennende Büsche an Athener Straßen dominierten und ließen keine Urlaubs-Romantik aufkommen. Das Athener Kultur- und Tourismusministerium befürchtet schwerwiegende Folgen: Etwa eine Million Touristen weniger als im Vorjahr – damals waren es 16 Millionen – könnten heuer nach Griechenland kommen. Vor allem Urlauber aus Deutschland seien verschreckt worden, heißt es. In diesem für Griechenland so wichtigen touristischen Markt zeichne sich ein Rückgang der Buchungen um etwa 30 Prozent ab – neuer Negativ-Rekord. Grund dafür könnten nicht nur die lautstarken Proteste gegen die strikten Sparpakete sein, die im Fernsehen übertragen wurden – sondern auch verbale Attacken gegen Deutschland, das in seiner führenden Rolle bei der Euro-Rettung wegen scharfer Auflagen den Unmut vieler Griechen auf sich gezogen hat.

„Es war nicht besonders klug, Frau Merkel in Nazi-Uniform zu zeigen“, meint Michael Karavas. Er ist Grieche und Eigentümer von Attika-Reisen, einem Traditions-Veranstalter aus München, der sich auf Griechenland-Reisen spezialisiert hat. Karavas spielt auf einen Titel der rechtsgerichteten griechischen Zeitung „Demokratie“ an, auf dem die deutsche Bundeskanzlerin vor kurzem in einer SS-Jacke abgebildet war. Er betont aber eindringlich, dass es sich um kleine Randgruppen in Athen handele, die ein solches Deutschland-Bild verbreiten. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung sei vernünftig und wisse, dass die politischen Veränderungen notwendig seien.

Nur durch die Kraft der Bilder im Fernsehen, „werde die Wirkung im Verhältnis zur Bedeutung tausendfach verstärkt“, schätzt der Reise-Veranstalter. Die Buchungen würden „weit, weit“ hinter dem Vorjahr zurückliegen.

Das bestätigt Torsten Schäfer vom Deutschen Reise Verband (DRV), wenngleich er das nicht ausdrücklich auf die Krawalle in Athen zurückführen will. Denn der typische deutsche Griechenland-Tourist sei ein Insel-Urlauber. Und auf Kreta oder Rhodos würden sowieso keine Demonstrationen stattfinden. Um die Gründe für die mangelnde Nachfrage zu erfahren, müsste man die Urlauber schon selber fragen.

Die Hauptreisezeit sei zwischen Ostern und September. „Davor ist es im Mittelmeerraum zu frisch“, erklärt Schäfer. Griechenland gehörte lang zu den zehn Top-Zielen deutscher Urlauber. Der Reise-Experte ist optimistisch, dass das so bleibt. Er schätzt, dass es im Mai noch eine größere Buchungswelle geben wird. Um wirklich einenklaren Trend festzustellen, müsse man aber sowieso das Jahresende abwarten. Im vergangenen Jahr um diese Zeit, ein Jahr nach dem ersten Rettungspaket von EU und IWF, habe es ebenfalls weniger Buchungen gegeben – wenn auch nicht so wenig wie heuer. Unter dem Strich zählte Griechenland 2011 dann zehn Prozent Urlauber mehr als 2010.

Ob sich der Griechenland-Tourismus in diesem Sommer erholen wird, bleibt abzuwarten, meint man beim Münchner Reiseveranstalter FTI. Bisher laufe das Reisejahr für Griechenland „etwas schleppend“ an. Besondere Lock-Angebote für Urlauber seien dennoch nicht geplant. Griechenland biete generell ein „hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis“.

Was die Sicherheit angeht: Das Auswärtige Amt in Berlin empfiehlt Griechenland-Touristen, sich in den Medien sowie bei ihren Gastgebern über die aktuelle Lage zu unterrichten und Demonstrationen und Menschenansammlungen möglichst zu meiden. Bisweilen würde es im Zuge von Protestkundgebungen zu gewalttätigen Ausschreitungen kommen.

Unangenehm kann es für Urlauber auch an anderer Stelle werden: bei der An- und Abreise. Immer wieder streiken die griechischen Fluglotsen und Zollbeamten. Auch Fähren, die zu den Inseln führen, blieben schon mal im Hafen stehen.

Kathrin Garbe

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