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Das griechische Defizit (Foto: Akropolis in Athen) liegt laut Eurostat bei 13,6 Prozent. Zuletzt war es noch mit 12,9 Prozent angegeben worden. 

Griechenland noch näher am Staatsbankrott

London - Griechenland steckt noch tiefer im Schuldensumpf als bisher bekannt. Doch die neuen Zahlen könnten immer noch nicht das ganze Ausmaß der Misere aufzeigen.

Die europäische Statistikbehörde Eurostat korrigierte das griechische Haushaltsdefizit für das Jahr 2009 am Donnerstag auf 13,6 Prozent nach oben. Die bisherige Prognose lag bei 12,9 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das Haushaltsdefizit hat sich damit im Vergleich zu 2008 fast verdoppelt; damals lag es bei 7,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ein noch größeres Loch in der Staatskasse hat nur Irland mit 14,3 Prozent. Der niedrigste Wert wurde für Schweden ermittelt, wo sich das Defizit auf lediglich 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung belief. In der gesamten Eurozone stieg die Neuverschuldung von durchschnittlich zwei Prozent 2008 auf 6,3 Prozent im vergangenen Jahr. EU-weit wuchs das Defizit laut Eurostat von 2,3 Prozent auf 6,8 Prozent. Die Gesamtschuldenquote Griechenlands belief sich 2009 auf 115,1 Prozent, EU-weit übertroffen nur noch von Italien mit 115,8 Prozent. Die Verschuldungsquote für Deutschland wurde mit 73,2 Prozent angegeben. In der Eurozone stieg die Quote von 69,4 Prozent Ende 2008 auf 78,7 Prozent Ende 2009 und in der Gesamt-EU von 61,6 Prozent auf 73,6 Prozent.

Eurostat warnt vor möglicher weiterer Korrektur

Eurostat warnte, dass die griechischen Zahlen tatsächlich noch schlechter ausfallen könnten als jetzt ermittelt. Die Behörde verwies auf “Unsicherheiten“ über die Angaben aus Athen vor allem bei Sozialversicherungsfonds und komplexen Spekulationsgeschäften. Nach Abschluss laufender Eurostat-Untersuchungen könnten daher weitere Korrekturen notwendig werden, die sich beim Haushaltsdefizit auf 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte und bei der Gesamtverschuldung auf fünf bis sieben Prozentpunkte belaufen könnten. Das griechische Finanzministerium erklärte dazu, die Zweifel an den Zahlen seien auf Versäumnisse der vorherigen konservativen Regierung zurückzuführen. Diese habe bereits 2008 außerbörsliche Zinstauschgeschäfte nicht korrekt an Eurostat gemeldet.

Zusammenstöße bei Demonstration in Athen

Wegen erwarteter Arbeitsplatzverluste und Kürzungen im Zusammenhang mit der rigorosen Sparpolitik Athens traten die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Griechenland in einen 24-stündigen Streik. Der Ausstand legte am Donnerstag weite Teile des öffentlichen Dienstes lahm, der Flugverkehr war jedoch nicht betroffen. Die Fluglotsen beteiligten sich angesichts der ohnehin schon massiven Ausfälle im Flugverkehr durch die Aschewolke über Europa nicht an dem Streik. Im Zentrum Athens kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Insgesamt zogen 3.000 bis 4.000 Demonstranten durch die Innenstadt. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie “Besteuert die Reichen“ und “Nehmt uns nicht das Brot vom Tisch“ bei sich. Die Gewerkschaften in Griechenland befürchten wegen der Sparpläne der Regierung tiefe Einschnitte.

Seit Mittwoch berät die sozialistische Regierung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission über die Überwindung der Schuldenkrise. Die übrigen Euro-Staaten und der IWF haben Griechenland Beistandskredite im Umfang von 30 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, die allerdings mit weiteren Sparauflagen verbunden werden könnten.

Von Pan Pylas

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