HVB aus dem Gröbsten heraus: "Krieg ist noch nicht gewonnen"

- München - Hohe Steuerzahlungen im Ausland haben der Münchner HypoVereinsbank im ersten Halbjahr 2003 den Weg zurück in die Gewinnzone verbaut. Trotz eines massiven Kostensenkungsprogramms und drastischer Stellenstreichungen blieb in den ersten sechs Monaten unterm Strich ein Verlust von 144 Millionen Euro. Der neue Konzernchef Dieter Rampl zeigt sich dennoch zuversichtlich, bis zum Jahresende eine "schwarze Null" zu erreichen.

<P>Von 73 000 Mitarbeitern bleiben nur 62 000 übrig</P><P>Im vergangenen Jahr hatte die Bank noch einen Rekordverlust von 858 Millionen Euro eingefahren. Ex-Konzernchef Albrecht Schmidt und sein Nachfolger Rampl reagierten auf die schwerste Krise der Unternehmensgeschichte mit einem dramatischen Kurswechsel: 9000 der einst knapp 73 000 Mitarbeiter der Bank mussten gehen, 2000 weitere Stellen werden bis zum Jahresende noch abgebaut. Die Rosskur greift: Beim operativen Ergebnis ist die HVB im ersten Halbjahr eindrucksvoll in die Gewinnzone zurückgekehrt. Im ersten Halbjahr 2002 stand noch ein Minus von 413 Millionen Euro zu Buche, für das erste Halbjahr 2003 konnte Rampl gestern stolz ein Plus von 238 Millionen Euro (2. Quartal 111, 3. Quartal 127 Mio. Euro) verbuchen. "Wir liegen gut im Plan", sagte der Konzernchef.<BR><BR>Spektakuläre Kreditausfälle à la Kirch blieben der Bank zuletzt erspart, die Risikovorsorge konnte im Halbjahresvergleich von 1,9 auf 1,5 Mrd. Euro zurückgefahren werden. Lediglich hohe Steuerzahlungen der profitablen Auslandstöchter verhagelten der HVB letztlich das Ergebnis.<BR><BR>Rampl ist dennoch zufrieden. Die HVB hat zuletzt 25 % ihrer Bank Austria an der Börse für rund eine Milliarde Euro verkauft, die Veräußerung der Norisbank spülte eine weitere knappe halbe Milliarde Euro in die Kasse. Auch die Getränkegruppe Brau & Brunnen soll schnellstmöglich abgestoßen werden. Ebenso zur Disposition stehen die Aktienpakete der HVB an der Münchener Rück (13 %) und der Allianz (3,2 %). Die HVB will mit den Erlösen ihr Kernkapital stärken und damit verhindern, dass die großen Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der Bank herabstufen.<BR><BR>Dem selben Ziel dient die Verbriefung von Kreditrisiken der HVB sowie die geplante Ausgliederung der Immobilientochter "Hypo Real Estate Group". Damit würden allein 58 Milliarden Euro aus den HVB-Kreditbüchern verschwinden. Noch immer ist die Bank mit einem Kreditportfolio von über 400 Milliarden Euro Europas größter Geldgeber - ein Umstand, den Analysten mit Sorge sehen.<BR>Die Börse hat die Fortschritte bei der Sanierung mit einem Kursfeuerwerk honoriert. Im März stürzte die HVB-Aktie auf das Allzeittief von 6,71 Euro - gestern notierte das Papier bei 15,90 Euro, ein Plus von 137 % in nur fünf Monaten. Der deutsche Aktienindex Dax legte im gleichen Zeitraum lediglich um 58% zu. </P><P>Auf die Bekanntgabe der neuen Zahlen reagierte der Handel gleichwohl zurückhaltend. Die HypoVereinsbank hatte zu Jahresbeginn bei den operativen Erträgen ein Ziel zwischen 9,5 und 9,9 Milliarden Euro für 2003 angepeilt. Tatsächlich sind es im ersten Halbjahr nur 4,74 Milliarden geworden - der Konzern muss sich also anstrengen, die Erwartungen im Jahresverlauf noch zu erfüllen. Die bisher erzielte Ergebnisverbesserung beruht maßgeblich auf den Erfolgen bei den Verwaltungsaufwendungen, die im Halbjahresvergleich um 427 Millionen auf 3,3 Miliarden Euro gedrückt werden konnten. Nur mit Einsparungen auf der Kostenseite, pflegt Rampl zu sagen, sei der Krieg am Markt aber nicht zu gewinnen.</P>

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