Größter Einzelaktionär wirft bei General Motors das Handtuch

- New York - Der US-Milliardär Kirk Kerkorian (89) hat beim weltgrößten Autokonzern General Motors (GM) offenbar endgültig das Handtuch geworfen. Kerkorian war mit einer Beteiligung von 9,9 Prozent noch vor kurzem größter Einzelaktionär bei GM.

 Nach Informationen des "Wall Street Journal" hat er nun seine gesamte Beteiligung an GM abgestoßen. Kerkorian habe die restlichen 28 Millionen GM-Aktien verkauft, berichtete das Blatt.

Kerkorian konnte sich mit seinen Forderungen nach Bildung einer globalen Dreierallianz zwischen GM, dem japanischen Autokonzern Nissan und dem französischen Autohersteller Renault nicht durchsetzen. Der Milliardär wollte den erfolgreichen Renault- und Nissan-Chef Carlos Ghosn bei GM mit ins Spiel bringen. Er stieß bei GM-Konzernchef Rick Wagoner und dem GM-Verwaltungsrat auch auf Ablehnung mit viel weiterreichenden Maßnahmen zur Sanierung des schwer angeschlagenen nordamerikanischen und zur Umstrukturierung des globalen Autogeschäfts. Kerkorian drängte GM dabei auch vergeblich zum Verkauf von Saab und der US-Autosparte Hummer.

GM hatte 2005 einen Verlust von 10,6 Milliarden Dollar verbucht, vor allem wegen des maroden nordamerikanischen Autogeschäfts. GM will es mit der Streichung von zehntausenden von Stellen und zahlreichen Werksschließungen sanieren. Wagoner will so jährlich neun Milliarden Dollar Kosten sparen. Es stehen aber noch endgültige Vereinbarungen mit der ehemaligen Autoteile-Sparte Delphi aus, die sich in einem Insolvenzverfahren befindet. Dies könnte GM allein bis zu sieben Milliarden Dollar kosten.

GM teilte seinerseits mit, dass der lange anstehende Verkauf einer 51-prozentigen Beteiligung an seiner riesigen Finanztochter GMAC an ein Konsortium unter Führung der Investmentfirma Cerberus FIM Investors jetzt vollzogen worden sei. GM erhält hierfür über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt 14 Milliarden Dollar (10,6 Mrd Euro). Dies sei ein wichtiger Schritt beim Umschwung des Unternehmens, betonte Wagoner. GM behalte eine 49-prozentige GMAC-Beteiligung.

Kerkorian hielt die GM-Aktien über seine Investmentfirma Tracinda. Tracinda und General Motors nahmen keine Stellung. Der Verkauf des Pakets soll nach Angaben der Zeitung spät am Donnerstag erfolgt sein. Tracinda habe 28 Millionen GM-Aktien zum Kurs von 29,25 Dollar an die Bank of America veräußert, einen wichtigen Kreditgeber Kerkorians.

Tracinda hatte zuvor am Donnerstag in einer Mitteilung an die amerikanische Wertpapier- und Börsenbehörde SEC mitgeteilt, dass die Beteiligung am weltgrößten Autokonzern General Motors durch den Verkauf von 14 Millionen GM-Aktien weiter von 7,4 Prozent auf nur noch 4,95 Prozent reduziert worden sei. Danach hielt Tracinda noch 28 Millionen GM-Aktien, die nach Darstellung der Zeitung am Donnerstag veräußert wurden. Kerkorian habe bei seinem 20 Monate dauernden GM- Engagement einen bescheidenen Gewinn gemacht, betonte die Zeitung. Kerkorian hatte seine GM-Beteiligung in der vergangenen Woche bereits durch den Verkauf von ebenfalls 14 Millionen GM-Aktien zum Preis von 33 Dollar je Stück von 9,9 auf 7,4 Prozent gesenkt.

Der GM-Aktienkurs war am Donnerstag um 0,92 Prozent auf 29,23 Dollar gefallen. Damit lag er deutlich unter dem im Oktober verbuchten Zwölfmonatshoch von 36,56 Dollar, aber noch weit über dem Zwölfmonatstief von 18,33 Dollar von Ende 2005. Die GM-Aktien sind momentan insgesamt 16,5 Milliarden Dollar wert. Der Kerkorian-Vertraute Jerome York war vor zwei Monaten aus dem GM-Verwaltungsrat ausgeschieden.

Mit dem Ausstieg Kerkorians muss Wagoner jetzt beweisen, dass seine Sanierungsstrategie für den globalen Branchen-Primus Erfolg haben wird. Kerkorian hat sich parallel zur Trennung von GM stärker auf das lukrativere Spielkasino-Geschäft konzentriert. Er hatte vergangene Woche angekündigt, dass er seine Mehrheitsbeteiligung an dem Hotel- und Spielkasino-Gesellschaft MGM Mirage weiter ausbaut. MGM Mirage besitzt unter anderem eine Reihe bekannter Großkasinos in Las Vegas wie das Bellagio, das MGM Grand und das Luxor.

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