"Größtes Mautsystem der Welt" funktioniert

- Wien/München - Österreich schaut mit Schmunzeln und Schadenfreude auf die Probleme bei der Einführung der Lkw-Maut in Deutschland. Während die Deutschen oft behaupten, alles besser als der kleine Nachbar zu können, läuft es diesmal umgekehrt. Die Vorbereitungen der Lkw-Maut zum Jahresanfang 2004 sind in Österreich abgeschlossen, ohne technische Probleme oder Lieferengpässe. In Deutschland kündigt sich eine Fortsetzung des Debakels an. Verkehrsminister Manfred Stolpe beziffert die Gefahr einer erneuten Verschiebung des Starts auf 50 Prozent.

<P>Das österreichische Mautsystem ist schlicht - und funktioniert. Basis des laut Eigenlob "größten Mautsystems der Welt" bildet die Mikrowellentechnik. "Wir haben mit Sicherheit nicht die Probleme wie in Deutschland", freut sich die Betreibergesellschaft "Europpass".</P><P>Schon ein halbes Jahr vor Beginn der Mautpflicht meldeten die Betreiber: "Alle 422 Abbuchungs- und Kontrollstellen auf dem 2000 Kilometer langen Autobahnnetz sind einsatzbereit." Über Antennen funken die Mautportale die Abrechnungsbox des vorüberfahrenden Lkw an.</P><P>Diese "GO-Box" überträgt theoretisch selbst bei Tempo 800 Seriennummer, die Zahl der Lkw-Achsen und das Kennzeichen. Im Schnitt sind 22 Cent pro Kilometer zu berappen. An rund 100 Kontrollpunkten bestimmt außerdem ein Laserscanner Geschwindigkeit, Länge und Bauart des Fahrzeuges.</P><P>In Deutschland wird sich diese Woche entscheiden, ob die Lastwagen-Maut überhaupt am 2. November eingeführt werden kann. Die meisten Experten erwarten eine neuerliche Verschiebung. FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt forderte deshalb Konsequenzen für die Unternehmen: "Das ist nicht nur für den Minister eine Blamage, sondern auch für das Anbieterkonsortium", sagte Gerhardt unserer Zeitung. Derzeit werde immer nur über einen Rücktritt Stolpes diskutiert, so Gerhardt. Doch man müsse sich jetzt auch über weitere personelle Konsequenzen bei den Firmenchefs Gedanken machen.<BR><BR></P>

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