Großaufträge lassen Airbus wieder hoffen

Luftfahrtsalon Le Bourget in Paris: - Paris - Airbus fasst wieder Tritt. Mit einem Großauftrag für 80 der neuen A350 mit breitem Rumpf konnten die Europäer den Vorsprung, den Boeing sich in dieser neuen Flugzeugklasse herausgeflogen hatte, um ein gutes Stück verkürzen.

Wo, wenn nicht in Le Bourget? Der Flugplatz in Paris wird alle zwei Jahre mit der weltweit wichtigsten Flugzeugmesse zum Ort einer Nabelschau der französischen Luftfahrtindustrie. So ist es kein Wunder, dass gerade hier der Durchbruch für das Flugzeug geschafft wurde, das Airbus zunächst halbherzig dem 787-"Dreamliner" von Boeing entgegengestellt hatte und nun auf Druck der Kunden völlig neu entwickeln muss. 22 weitere A350 gehen neben anderen Airbus-Modellen im Rahmen eines Großauftrags an US-Airways.

Dabei ist es keine Überraschung, dass Qatar Airways den Vorvertrag über 80 Flugzeuge nun in Festbestellungen umwandelte. Bislang waren erst 13 Aufträge für das neue Flugzeug in den Büchern. Dagegen sitzt Boeing auf knapp 600 Bestellungen für den "Dreamliner". Das spricht derzeit für Airbus. Denn obwohl die A350 erst 2013 und damit fünf Jahre nach dem Dreamliner der Amerikaner auf den Markt kommen soll, bekommt, wer heute eine 787 bestellt, diese frühestens 2015.

Damit haben beide Flugzeugbauer zusammen über 700 Aufträge für Flugzeuge in der Tasche, von denen noch niemand definitiv sagen kann, ob sie die hochgesteckten Erwartungen erfüllen können. Die Boeing 787 soll zwar bereits nächstes Jahr ausgeliefert werden. Doch sie ist noch nie geflogen. Gerade hat Boeing den Erstflug von Anfang auf Mitte September 2007 verschoben.

Selbst ein erfolgreicher Start in die Praxis bedeutet, wie die Erfahrung lehrt, nicht viel. Erst lange nach dem vielbejubelten Erstflug des Riesen-Airbus A380 waren schließlich die Probleme aufgetaucht, die den europäischen Flugzeugbauer in die tiefste Krise seines Bestehens rissen.

Obwohl Boeing mit dem 787 keine neuen Größenrekorde aufstellen will, sind die Hürden ähnlich anspruchsvoll wie bei der A380. Auf vielen Gebieten haben die Amerikaner technisches Neuland betreten. Vor allem der aus einem Stück gefertigte Rumpf aus Verbundstoffen hat es in sich. Weil in Amerika die Technologie nicht aufzutreiben war, wird dieser Rumpf zum Großteil in Italien und Japan gefertigt. Den Transport übernehmen vergrößerte Versionen des Jumbo 747. Und auch die Elektronik, die Boeing in bisher nie gekanntem Umfang in das Flugzeug integrieren will, könnte sich noch als Achillesferse erweisen. Ein Fehlschlag wäre für die Amerikaner noch schwerer zu verkraften als für Airbus. Denn Boeing hat keine weiteren Pfeile in Richtung Zukunft im Köcher. Die alte 747 ist gegenüber der A380 nicht wirklich konkurrenzfähig. Und auch die kleine 737 ist deutlich älter als die ebenfalls schon in die Jahre gekommenen kleinen Airbusse. Ein Nachfolgermodell soll aber weitgehend auf Entwicklungen für den Dreamliner aufgebaut werden. Letztlich hat Boeing im Konkurrenzkampf mit Airbus auf eine Karte gesetzt - die 787 - und mit dieser nicht zuletzt wegen strategischer Fehler der Europäer keine schlechte Figur gemacht. Ausgespielt sind die Karten aber noch nicht.

So ist es kein Wunder, dass die beiden großen Verkehrsflugzeugbauer sich im Hinblick auf die Zukunft recht vorsichtig geben. Airbus denkt im Augenblick gar nicht daran, Boeing die Rolle als Branchen-Erster wieder streitig zu machen, kündigte Airbus-Chef Louis Gallois an. Und Boeing scheut eine Anpassung der Produktion an den gigantischen Auftragsberg, der in den letzten Jahren aufgehäuft wurde. "Das Schlimmste, was wir tun könnten, ist Überkapazitäten zu schaffen". Airbus ist gerade dabei, Mitarbeiter loszuwerden und ganze Werke zu verkaufen. Der größte Nachfrageboom in der Geschichte der Luftfahrt wird Käufern in den nächsten Jahren vor allem eines abverlangen: unendlich viel Geduld.

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