Das große Feilschen um ProSieben

- München -­ Die weitere Debatte über die mögliche Eroberung des deutschen TV-Markts durch den umstrittenen italienischen Medienmogul Silvio Berlusconi hat sich erst einmal erledigt. Nach dem Ausschluss von Berlusconis Mediaset aus dem Bieterwettbewerb um ProSiebenSat.1 feilschen nun internationale Finanzinvestoren um Deutschlands größten TV-Konzern.

Der Beteiligungsgesellschaft Permira, die zu den Favoriten gehört, floss am Freitag durch den Verkauf von Premiere-Aktien schon einmal frisches Geld zu (siehe Kasten). "Die kratzen jetzt alles zusammen", sagte ein Branchenexperte spaßhaft. Doch die Beteiligungsgesellschaften sind ohnehin finanziell gut ausgestattet für den Milliardenpoker.

Schon deshalb galt es in der Branche ohnehin von Anfang an als unwahrscheinlich, dass ProSiebenSat.1 am Ende bei Berlusconis Mediaset landen würde. "Die Finanzierung wäre für Mediaset schwierig gewesen", sagte ein Branchenexperte. Es sei wahrscheinlich nur ein geschickter Schachzug der Verkäufer um den US-Milliardär Haim Saban gewesen, Mediaset eine Zeit lang mit ins Boot zu holen, um den Bieterwettbewerb anzuheizen. "So viele mögliche Käufer gibt es ja nicht."

Das Interesse Berlusconis hatten die Medienbranche und die Politik aufgeschreckt. Zwar sind die Ängste deutlich kleiner als vor ein paar Jahren, als Berlusconi schon einmal einen Anlauf startete. Dennoch nannte der SPD-Vorsitzende Kurt Beck die Aufregung um den Berlusconi-Vorstoß berechtigt. Es müsse geprüft werden, ob in Deutschland wie in den USA für Medien eine Obergrenze von 25 Prozent für ausländische Beteiligungen eingeführt werde.

Diese Diskussion kann nach dem Ausschluss von Mediaset aus dem Bieterverfahren in aller Ruhe geführt werden. Favorit ist bei ProSiebenSat.1 nun vor allem Permira, das gemeinsam mit KKR bietet. Den beiden Beteiligungsgesellschaften gehört bereits der europäische TV-Konzern SBS. "Die sind ein natürlicher Bieter", sagt ein Branchenexperte. SBS\x0fund ProSiebenSat.1 hätten gemeinsam eine bessere Einkaufsmacht. Bei einer solchen Lösung sei auch nicht zu befürchten, dass das Unternehmen ausgequetscht werde. "Das ist keine Negativ-Story."

Daneben soll sich vor allem noch ein Konsortium aus Apax und Goldman Sachs um den Kauf bemühen. Als reine Finanzinvestoren wären diese Bieter möglicherweise noch stärker gezwungen, die Kosten bei ProSiebenSat.1 nochmals kräftig zu drücken, um das Unternehmen in ein paar Jahren mit\x0fGewinn wieder loszuwerden. Denn es ist in der Beteiligungsbranche nicht mehr so einfach wie in früheren Jahren, Traumrenditen zu erzielen. Zwar sitzen die Fonds auf Milliardensummen, die investiert werden müssen. Doch wächst entsprechend auch die Konkurrenz und damit die zu zahlenden Preise. "Der Wettbewerb um Investitionsobjekte nimmt weiter zu und es wird schwerer, Übernahmen zu attraktiven Konditionen abzuschließen", erklärte kürzlich die Beratungsgesellschaft Deloitte nach der Befragung von 1800 Investmentmanagern weltweit.

Bei ProSiebenSat.1 jedenfalls hat man keine Angst vor "Heuschrecken". Mit den Finanzinvestoren um Saban als Eigentümer habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Vorstandschef Guillaume de Posch.

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