Der große Fischzug von Kamps: Mitarbeiter müssen nicht bangen

- München/Düsseldorf - Heiner Kamps ist wieder da. Drei Jahre nach dem Verkauf seines Backimperiums meldet sich der 50-jährige Düsseldorfer Unternehmer mit der Übernahme der Schnellrestaurant-Kette Nordsee zurück. Für die rund 92 Nordsee-Mitarbeiter in München und Oberbayern hat die Übernahme vorerst keine Auswirkung. "Sie müssen keinen Stellenabbau befürchten", sagt Magdalena Tsagara von der Kamps Food Retail Investment.

In München gibt es elf Nordsee-Restaurants, weitere Nordsee-Filialen gibt es in Oberbayern in Bad Reichenhall, Dachau, Garmisch-Partenkirchen, Ingolstadt, Rosenheim, Traunstein und am Münchner Flughafen. Bevor weitere Entscheidungen fallen, soll die Abwicklung der Übernahme abgewartet werden. Der von der japanischen Bank Nomura unterstützte Kamps hat offenbar weit reichende Pläne mit der Neuerwerbung. "Ich sehe großes Potenzial und halte langfristig auch eine weitere internationale Ausdehnung für möglich", betonte der Manager in einer Erklärung. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Bereits 1982 hatte der Bocholter Bäckersohn in Düsseldorf seine erste eigene Bäckerei gegründet und daraus später eine rasch expandierende Filialkette entwickelt. Unterstützt von der Investmentfirma Apax, wagte er 1998 als erster Bäcker den Gang an die Börse und nutzte die eingenommenen Millionen für eine beispiellose Einkaufstour im In- und Ausland. Schon zwei Jahre später war die Kamps AG das größte europäische Backwarenunternehmen. Der Wert der beim Börsengang für 4,18 Euro angebotenen Kamps-Aktie stieg innerhalb von 15 Monaten um 766 Prozent auf ein Rekordhoch von 46 Euro.

Die Entwicklung seines Backimperiums erinnerte damals an den gleichzeitig stattfindenden Internet-Boom - im stürmischen Aufstieg, aber auch im tiefen Fall danach. Denn als deutlich wurde, wie hoch die Verschuldung des Backkonzerns durch die Zukäufe geworden war, brach der Aktienkurs ein. Im Sommer 2002 sicherte sich der italienische Nudelhersteller Barilla für einen Bruchteil des Höchstkurses die Mehrheit bei Kamps und nahm das Unternehmen später von der Börse. Heiner Kamps trat Ende 2002 von seinem Posten als Vorstandsvorsitzender der Kamps AG zurück. Medienberichten zufolge soll er für sein Aktienpaket damals rund 60 Millionen Euro kassiert haben.

Seitdem ist der Unternehmer auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten und neuen Betätigungsfeldern. So verhandelte er 2004 über den Kauf des Autobahnraststätten-Betreibers Tank und Rast. Doch scheiterte er damals. Mehr Glück hatte er jetzt im Fall Nordsee, wo er sich zusammen mit dem japanischen Partner Nomura Medienberichten zufolge gegen mehrere andere Kapitalgesellschaften durchsetzte. Verkäufer ist die Investmentfirma Apax Partners, die Kamps schon beim Aufbau seiner Bäckereikette unterstützt hatte. Die Nordsee GmbH mit Sitz in Bremerhaven erzielte vergangenes Jahr mit ihren über 400 Filialen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Osteuropa einen Umsatz von rund 350 Millionen Euro.

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