Große und kleine Erfolge

Einigung bei Deutscher Telekom: - München/Bad Neuenahr - Vier Wochen Warnstreik, sechs Wochen regulärer Streik, sechs Tarifverhandlungsrunden und zuletzt ein Tauziehen bei Tag und Nacht: Wer ist der Sieger des endlich zu Ende gegangenen Marathons um den größten Umbau in der Geschichte der Telekom?

Die Börse meint: die Telekom. Der Aktienkurs stieg nach Bekanntgabe der Tarifeinigung deutlich. Die Gewerkschaft Verdi reklamiert für sich, wenigstens Schlimmeres für rund 50 000 Beschäftigte, fast ein Drittel der Gesamtbelegschaft des Ex-Monopolisten in Deutschland, verhindert zu haben. Für die Kunden springt aus der Umstellung zunächst nur heraus, dass der Service-Techniker künftig auch samstags kommt.

50 000 von 80 000 Stellen der Festnetzsparte T-Com werden in neue Service-Gesellschaften ausgelagert (s. Kasten rechts). Betroffen sind die Mitarbeiter in den Callcentern, die Kundendienstleute, die Anschlüsse legen und aufschalten, die Bautrupps, die Leitungen ziehen und Störungen beheben, wenn wieder mal ein Bagger ein Kabel zerfetzt hat.

Die Telekom will durch den Umbau ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern, zugleich aber auch die Servicequalität steigern. Um 30 bis 50 Prozent niedriger lägen die Einkommen für vergleichbare Tätigkeiten bei der Konkurrenz, hatte Vorstandschef René Obermann erklärt. Man liege "ordentlich im Zielkorridor", sagte Telekom-Personalchef Thomas Sattelberger nach der Einigung.

Dabei wirkt eine Kürzung der Grundgehälter um 6,5 Prozent zunächst nicht sehr eindrucksvoll, zumal diese durch eine Art Sozialplan auch noch abgefedert wird. Viel wichtiger ist die Absenkung der Einstiegsgehälter für neue Mitarbeiter. Deutlich über 30 Prozent fällt der Schnitt aus. Damit verbessert sich die Kostensituation auf längere Sicht erheblich. Zugleich spart auch die Verlängerung der Wochenarbeitszeit um vier auf 38 Stunden Geld: Es sollen künftig deutlich weniger Aufträge an Fremdfirmen vergeben werden, wie Sattelberger erklärte.

Für Verdi war die Absicherung ihrer Leute von entscheidender Bedeutung. Etwa 22 000 der betroffenen 50 000 Mitarbeiter sind in der Gewerkschaft, gut 25 000 sind Beamte. Verhandlungsführer Lothar Schröder sieht dieses Ziel erreicht, wenn ihm auch der Sinn der Auslagerung weiterhin nicht einleuchten mag. Immerhin sei die Ausgangssituation dramatisch gewesen, erklärte Schröder. Zwölf Prozent hatte der Konzern ursprünglich die Gehälter senken wollen. Und vor allem: Die Gewerkschaft kann die Überleitung der Beschäftigten in neue Tochterfirmen rechtlich nicht stoppen. Sie war also auf den Willen der Geschäftsführung angewiesen, für ein gedeihliches Betriebsklima Zugeständnisse zu machen.

Bei der Telekom in München war die Stimmung gestern gedrückt. "Gemessen an dem, was hätte kommen können, ist es aber noch vertretbar", sagte Ernst Edhofer, stellvertretender Geschäftsführer von Verdi in München. Er wertet den Streik deshalb als Erfolg. "Ohne wäre es total in die Hose gegangen", meint Edhofer.

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