Große Packung, kleiner Inhalt: Wie Hersteller bei Preisen tricksen

- München - Beim Gang durch den Supermarkt muss der Kunde immer häufiger feststellen, dass es für das gleiche Geld weniger Ware gibt. Neu ist der Trick mit den "Mogelpackungen" nicht. Aber nach Meinung von Verbraucherschützern sind die Versuche, heimlich an der Preisschraube zu drehen, in jüngster Zeit deutlich mehr geworden.

Die Packung Hakle-Feuchttücher zum Beispiel: 1,79 Euro kostet sie im Durchschnitt, der gleiche Preis wie vor einem Jahr. Aber statt 70 sind jetzt nur noch 49 Tücher in der Packung. Oder die Filtertüten von Melitta: der Preis (1,49 Euro) wie gehabt, aber statt 100 nur noch 80 Stück. Und beim Schlemmerfilet von Iglo gab es für 2,19 Euro früher 400 Gramm Fisch. Dann waren es nur noch 380.

Seit langem schon machen Markenhersteller ihre Produkte insgeheim teurer, indem sie die Füllmenge reduzieren, den Preis aber unverändert lassen. Die Stiftung Warentest veröffentlicht bereits seit mehr als einem Jahrzehnt in jedem "Test"-Heft eine "Mogelpackung des Monats".

"Mit diesem Trick setzen Unternehmen offenbar immer häufiger unbemerkte Preissteigerungen auf Kosten der Verbraucher durch", kritisiert die Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Edda Müller. Nach Einschätzung des Warentest-Beraters Dieter Baumgarten hat das damit zu tun, dass die Bundesbürger in den vergangenen Jahren preisbewusster geworden sind. "Normale Preiserhöhungen sind heute schwerer durchzusetzen als früher", sagt der langjährige Leiter des Eichamtes Berlin.

Deshalb ist es für viele Hersteller verlockend, stattdessen den Packungsinhalt zu verringern. Gerade bei Markenartikeln für den täglichen Gebrauch, wo viele Verbraucher routinemäßig ins Regal greifen, haben sie damit leichtes Spiel. Auf einer Liste, die die Verbraucherzentrale Hamburg ins Internet gestellt hat, finden sich nicht weniger als 27 aktuelle Beispiele: neben Hakle-Feuchttüchern und Melitta-Tüten zum Beispiel auch Müller-Milch, Deodorant von Nivea oder Eis von Mövenpick und Langnese. Dabei kennen die Firmen die Rechtslage natürlich genau. Im Eichgesetz heißt es: "Fertigpackungen müssen so gestaltet sein, dass sie keine größere Füllmenge vortäuschen, als in ihnen enthalten ist." Und Mengen-Änderungen müssen deutlich hervorgehoben werden.

Dies kann aber umgangen werden, indem Packung oder Produkt neu gestaltet werden. "Wenn irgendwo ,Neu’ oder ,Jetzt noch besser’ steht, heißt das eigentlich immer, dass das teurer geworden ist", warnt Baumgarten. Die Hersteller wollen solche Vorwürfe nicht gelten lassen. Hakle-Kimberly zum Beispiel erklärt die geringere Füllmenge damit, dass wegen einer verbesserten Papierqualität die Feuchttücher jetzt dicker seien und gar nicht mehr als 49 Tücher in eine Packung passten. Melitta rechtfertigt sich ebenfalls mit dem Bemühen um Qualität, aber auch mit der Sicherung von Arbeitsplätzen. "Unsere Filtertüten werden inklusive des benötigten Spezialpapiers ausschließlich in Deutschland gefertigt. Das Unternehmen leistet damit einen wesentlichen Beitrag für Beschäftigung am Standort."

Der Verbraucherzentrale Bundesverband rät, beim Einkauf genau hinzuschauen. Unabhängig von der Verpackungsgröße müsse der Grundpreis pro Kilo, Liter oder Stück stets am Regal stehen. "Verbraucher können sich nur schützen, indem sie bei jedem Einkauf die Mengenangabe prüfen", rät Verbandsvorsitzende Müller.

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