Ein Traditionskonzern (im Bild die Düsseldorfer Zentrale) ist verschwunden. Teile wurden an Konkurrenten verkauft.

Die große Schlacht um Mannesmann

Düsseldorf - Vor zehn Jahren kaufte Vodafone den deutschen Traditionskonzern Mannesmann – eine spektakuläre feindliche Übernahme, die in einem spektakulären Prozess endete. Das Unternehmen ist mittlerweile verschwunden. Heute erinnert kaum noch etwas an Mannesmann.

Am 3. Februar 2000 um 22.45 Uhr war für Mannesmann-Chef Klaus Esser die Schlacht verloren. Mit gequältem Lächeln schüttelte der Topmanager dem Vodafone-Chef Chris Gent vor den laufenden Kameras im Düsseldorfer Mannesmann-Hochhaus die Hand und besiegelte damit das Ende des Düsseldorfer Traditionskonzerns. In der bis dahin größten Übernahmeschlacht der Wirtschaftsgeschichte hatte sich der britische Telekommunikationskonzern für 180 Milliarden Euro die Kontrolle über den deutschen Rivalen gesichert.

Heute, zehn Jahre nach dem Handschlag, ist der Name Mannesmann Geschichte. Er ist vom ehemaligen Mannesmann-Hochhaus an der Düsseldorfer Rheinpromenade ebenso verschwunden, wie aus dem Logo des zweitgrößten deutschen Mobilfunkanbieters.

Dabei galt Mannesmann noch vor zehn Jahren als Musterbeispiel deutscher Industriegeschichte. Der Düsseldorfer Konzern, groß geworden vor allem mit Stahlröhren, war Anfang der 90er- Jahre mutig neue Wege gegangen. Im Jahr 1989 sicherte sich das Traditionsunternehmen die erste private Mobilfunklizenz in Deutschland und baute die Sparte mit Milliardenaufwand aus.

Mit Erfolg: Schon bald überflügelte die neue Tochter die traditionellen Geschäfte. Mannesmann wurde zu einem der größten Mobilfunkanbieter Europas mit starken Standbeinen in Italien und Großbritannien. Der Wert des ehemaligen Stahlkonzerns stieg innerhalb weniger Jahre um 1500 Prozent. Es schien keine Grenzen zu geben für den Konzern und seinen neuen Chef Klaus Esser.

Wie eine Bombe schlug da am 14. November 1999 das feindliche Übernahmeangebot von Vodafone für den deutschen Konzern ein. Zweieinhalb Monate lang dauerte der Abwehrkampf von Mannesmann. Doch am Ende siegte Vodafone.

Es folgt die Zerschlagung von Mannesmann. Vodafone war nur an der Telekommunikationssparte interessiert. Die traditionellen Sparten des Konzerns wurden rasch verkauft. Salzgitter übernahm die Mannesmann-Röhren-Werke. Siemens und Bosch sicherten sich die Technologie- und Verkehrstechniksparte des Konzerns Atecs Mannesmann und reichten Teile des Unternehmens später an den US-Finanzinvestor KKR weiter.

Dennoch fällt das Urteil von IG-Metall-Sprecher Wolfgang Nettelstroth im Rückblick positiv aus. Die Sparten seien in der Regel in gute Hände gekommen. „Durch die Auflösung der alten Unternehmensstruktur haben viele Bereiche gewonnen, die zuvor im Schatten des Mobilfunks standen“, meint er. So gehe es dem Röhrenbereich hervorragend.

Vodafone selbst behielt zwar nur die Telekommunikationssparte. Doch hier fällt die Bilanz nach zehn Jahren Unternehmensangaben zufolge positiv aus. Die Mitarbeiterzahl habe sich seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt – auf heute 15 000 Beschäftigte. Die Zahl der Kunden verdreifachte sich auf 39 Millionen, wie der Konzern mitteilte. Der Telekommunikationsriese betreibt in Deutschland ein hochmodernes Test- und Innovationszentrum für den Gesamtkonzern. Weltweit unterhält Vodafone nur zwei weitere Hightech-Labore dieser Art: in Mailand und im englischen Newbury.

Allerdings ist der Glanz der ersten Jahre inzwischen doch etwas verblasst. Nach dem Platzen der New-Economy-Blase musste der britische Konzern Wertberichtigungen in Höhe von 50 Milliarden Euro auf die teuer eingekaufte deutsche Tochter vornehmen. Und die Wachstumsraten der Vergangenheit sind längst Geschichte. Der Mobilfunkmarkt in Deutschland ist weitgehend gesättigt und Vodafone kämpft – wie die meisten anderen Telekommunikationskonzerne – aufgrund des Preisverfalls heute mit Umsatzrückgängen.

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