Luftverkehr

Verspätung: 30.000 Fluggäste pro Tag betroffen

München - Mehr als 30.000 Passagiere in Deutschland sind täglich von verspäteten oder annullierten Flügen betroffen. Dies zeigt eine Auswertung der Grünen-Bundestagsfraktion auf Grundlage von Zahlen des Unternehmens EU-Claim, die unserer Zeitung vorliegt.

Rund 1000 Fluggäste haben täglich mit Verspätungen von mehr als drei Stunden zu kämpfen. Die Grünen fordern eine Stärkung der Fluggastrechte. „Die Bundesregierung darf das Versteckspiel der Airlines nicht länger dulden. Sie muss die Unternehmen zur Einrichtung verbraucherfreundlicher Schlichtungsstellen verpflichten“, sagte Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn.

Das Unternehmen EU-Claim hat die Daten der vier großen Flughäfen Frankfurt, München, Düsseldorf und Berlin analysiert. Gemeinsam wickeln sie rund 70 Prozent des Flugverkehrs in Deutschland ab. Das Ergebnis: Jeder 20. Flug startete mit mehr als 30 Minuten Verspätung. Bei der Ankunft war etwa jeder 14. Flieger zu spät. Die Quote für Verspätungen über drei Stunden lag bei 0,2 Prozent (Abflug) bzw. 0,3 Prozent (Ankunft). Insgesamt sind täglich in Deutschland rund 550 000 Fluggäste unterwegs.

EU-Claim bezieht seine Daten von Airlines, Flughafenbetreibern und Behörden. Das Unternehmen treibt für Fluggäste Entschädigungen ein, weil viele ein langwieriges Verfahren scheuen. Bei Erfolg bekommt EU-Claim eine Provision.

„Verbraucherrechte sind für die meisten Airlines ein Fremdwort“, wettert Höhn. Bei Verspätungen blieben die Passagiere oftmals auf ihrem Schaden sitzen. „Einige Geschädigte treten ihre Ansprüche für wenig Geld an ein Inkassounternehmen ab, weil sie so wenigstens noch ein paar Euro erstattet bekommen. Den Reibach machen andere.“

Einen Anspruch auf Entschädigung gibt es erst bei Verspätungen von mehr als drei Stunden. Die Höhe richtet sich nach der Entfernung des Flugziels. Maximal liegt die Entschädigung bei 600 Euro. Kann die Fluglinie nachweisen, dass außergewöhnliche Umstände zur Verspätung geführt haben, muss sie nicht zahlen. Viele Passagiere kennen allerdings ihre Rechte nicht.

Neben mehr Informationen für Verbraucher fordern die Grünen auch offizielle Zahlen zu Verspätungen und Flugausfällen. „Bislang war die Antwort, dass weder Bundesregierung noch Luftfahrt-Bundesamt diese Zahlen vorliegen – ein Armutszeugnis“, klagt der tourismuspolitische Sprecher der Grünen, Markus Tressel. Bleiben vorerst nur die Angaben von privaten Unternehmen wie EU-Claim.

VON STEFFEN HABIT

Rubriklistenbild: © dpa

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