In den großen Ferien drohen Bahnstreiks

Berlin - Im August droht bei der Bahn ein unbefristeter Streik. Die Tarifverhandlungen zwischen dem Konzern und der Lokführergewerkschaft GDL sind gestern gescheitert. Bereits am Montag will die GDL nun eine Urabstimmung über einen Arbeitskampf in die Wege leiten.

­Das Ergebnis der Urabstimmung bei der Bahn soll zwischen dem 3. und 6. August vorliegen, wie GDL-Chef Manfred Schell sagte. Die Gewerkschaft versicherte, bis dahin werde nicht gestreikt.

Bahn-Personalvorstand Margret Suckale zeigte sich erschüttert und ratlos über die Haltung der Gewerkschaft. Die Arbeitgeberseite habe sich bewegt, die GDL aber alle Angebote abgelehnt. Die GDL-Forderung nach Lohnerhöhungen um 31 Prozent sei nicht möglich. Ihr Fazit lautete: "Wir sind an dieser Stelle ratlos." Suckale betonte gleichwohl, die Bahn sei "jederzeit verhandlungsbereit".

Die Bahn bot an, neben der bereits mit den anderen beiden Bahn-Gewerkschaften vereinbarten Lohnanhebung von 4,5 Prozent und einer Einmalzahlung von 600 Euro die Tätigkeiten der Bahnmitarbeiter von einem externen Sachverständigen bewerten zu lassen. Sollte dieser zu dem Schluss kommen, dass das Fahrpersonal im Vergleich mit anderen Bahn-Berufsgruppen zu wenig verdient, würde sich die Bahn dem Urteil unterwerfen.

GDL-Chef Schell sagte, die GDL betrachte die Verhandlungen als gescheitert. Er lehnte das 4,5-prozentige Angebot der Bahn mit den Worten ab, für "eine Tankfüllung im Monat mehr" werde er nicht abschließen. Die Hinzuziehung eines Sachverständigen mache Sinn, nicht aber im Rahmen von Tarifverhandlungen. Er habe der Bahn angeboten, einen kurzfristigen Abschluss zu vereinbaren und danach diese Bewertung vornehmen zu lassen. Schell sagte, es sei ein falscher Eindruck, dass die GDL einen Arbeitskampf wolle. Vielmehr schaffe die Bahn "ein Problem für Deutschland", wenn sie sich nicht zu einem Abschluss durchringen könne. Er erwarte ein neues Angebot der Bahn.

Die GDL verlangt einen eigenständigen Tarifvertrag mit einem Einstiegsgehalt für Lokführer von 2500 statt bisher 1970 Euro. In einem schriftlichen Forderungskatalog an die Bahn zur letzten Verhandlungsrunde ist unter anderem von einer "Erhöhung der Monatstabellenentgelte für das Fahrpersonal um mindestens 31 Prozent" die Rede. Dazu will die GDL bessere Arbeitszeitregelungen durchsetzen.

In einem "Angebot zur Konfliktlösung" hatte die Bahn unter anderem einen Tarifvertrag über Berufs- und Ausbildungsbedingungen der Lokführer angeboten. Mit allen drei Bahngewerkschaften sollte zudem ein neues Vergütungssystem gesucht werden. Die Bahn macht dabei deutlich, dass sie die einzelnen Mitarbeitergruppen nicht gegeneinander ausspielen wolle und nur noch mit allen drei Gewerkschaften, also Transnet, GDBA und GDL, verhandeln wolle.

Gemeinsame Verhandlungen schlössen aber nicht aus, "dass in einem einheitlichen Tarifvertrag auch unterschiedliche berufliche Anforderungen Berücksichtigung finden können". 

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