Großes Risiko und Blase in Sicht: Experten raten von Silber-Anlage ab

- Im Zuge des steigenden Goldpreises erlebt auch Silber eine Renaissance. Die Kursentwicklung des Edelmetalls in den vergangenen Monaten glich einer rasanten Rallye, wie sie die Anleger seit gut 25 Jahren nicht mehr gesehen hatten. Analysten sind nach Rückschlägen zuversichtlich, dass die Erfolgsgeschichte weitergeht. Doch wer in Silber investieren will, sollte sich vorsehen.

Ein Investment berge "gewaltige Risiken" für Anleger, die sich nie mit dem Thema beschäftigt haben, warnt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch Roland Aulitzky, Börsenspezialist von "Finanztest", winkt ab: Als "spekulative Nische" sei der Silbermarkt - im Gegensatz zur Anlage in Gold - für Normalverbraucher nicht geeignet.

Nach Einschätzung Kurz/ wird der seit drei Jahren anhaltende Aufwärtstrend bei Silber vor allem von der allgemeinen Hausse von Gold, Rohstoffen und Metallen befeuert. Noch Mitte der 90er-Jahre dümpelte der Silberpreis auf niedrigem Niveau bei rund fünf Dollar dahin. Rohstoffe wurden zu diesem Zeitpunkt von der Börse allgemein links liegen gelassen. Mitte 2003 rückte Silber dann in den Fokus der Anleger. Im April dieses Jahres stand der Preis bei rund 15 Dollar und damit auf einem 25-Jahres-Hoch. Dann kam es zur Korrektur am überhitzten Markt, die Preise pendeln jetzt etwa zwischen zehn und elf Dollar.

"Den Silbermarkt kennt kein Mensch"

"Silber läuft im Fahrwasser von Gold mit", erläutert Anlagespezialist Aulitzky. Der Preis des Edelmetalls sei jedoch grundsätzlich viel schwankungsanfälliger als bei Gold: Nach oben sind mit Silber stärkere Kursgewinne drin, bei Rückschlägen muss dafür mit höheren Verlusten gerechnet werden. Doch die Hoffnung auf überdurchschnittliche Gewinne scheint risikobereite Privatinvestoren derzeit in Scharen anzulocken. Der Markt werde vor allem von Spekulationen und viel Fantasie gespeist, mahnt Kurz zur Vorsicht. "Das geht schon in Richtung Spekulationsblase."

Warum Silber neuerdings wieder so gefragt ist, wollen weder Verbraucher- noch Aktionärsschützer mit der gestiegenen Nachfrage allein erklären. Zwar werden die weltweit verfügbaren Vorkommen allmählich knapper. Reine Silberminen gibt es kaum noch. Dass ein erhöhter Bedarf aus China den Markt nach oben treibe, reiche als Erklärung aber bei weitem nicht aus, meint Aulitzky.

Silber fällt häufig als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer, Blei und Zink an. Außer in der Schmuckindustrie und zur Münzprägung wird das Edelmetall wegen seiner guten Leitfähigkeit für Strom im Elektronikbereich gebraucht.

Silber gilt nicht einmal als solide Alternativwährung in Inflationszeiten, wie das bei Gold seit Jahrhunderten schon der Fall ist. Gold wird von Regierungen als Währungsreserve gehalten, staatliche Silberbestände sind dagegen so gut wie nicht vorhanden. Den Silbermarkt "kennt eigentlich kein Mensch", so das Fazit des Berliner Verbraucherschützers. Dennoch werde kräftig auf dessen Zukunft gewettet.

Wer die Nische trotz aller Risiken für aussichtsreich hält, dem stehen vor allem Zertifikate oder ein Direktinvestment in Silberminen und -produzenten als Möglichkeit offen. "Ob mit der Konstruktion des Zertifikats allerdings die Gewinnvorstellungen erreicht werden, halte ich für fragwürdig", betont Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Wer bei Zertifikaten in jedem Fall verdiene, sei der Emittent, also der, der das Papier herausgibt.

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