Großes Team und eigene Kräne

- München - Seinen Vornamen zu ändern, war in den 50er-Jahren eher unüblich und mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Michael Renner, der auf den Namen Isidor getauft war, tat es trotzdem. Denn er übernahm das von seinem Vater Michael Renner 1919 gegründete gleichnamige Bauunternehmen und wollte den bewährten Firmennamen erhalten. Um seinem Sohn, dem jetzigen geschäftsführenden Gesellschafter der GmbH, das gleiche Schicksal zu ersparen, nannte er ihn gleich Michael. "Er hat das sicher in der Hoffnung getan, dass ich den Betrieb übernehme", sagt der.

Michael Renner III. war 27 Jahre alt, als ihn sein Vater 1981, ein halbes Jahr vor dessen 65. Geburtstag, fragte: "Willst du die Firma übernehmen?" Zu diesem Zeitpunkt hatte der Diplomingenieur bereits drei Jahre Berufserfahrung in einem großen Bauunternehmen gesammelt und war darauf vorbereitet, die 70 Mitarbeiter zu führen. "Ich wollte schon als kleiner Junge in der Baubranche arbeiten."

Auch seine Frau Elisabeth stieg mit ein. Die 51-Jährige ist zuständig für den Zahlungsverkehr, die Personalbuchhaltung und die Löhne. Ihr ein Jahr älterer Mann hält den Kontakt zu den Architekten und den Bauleitern und macht die Akquisition, die in den letzten Jahren immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. "Früher habe ich zehn Anfragen durchkalkuliert, um einen Auftrag zu bekommen, heute sind es 20 bis 25. Der billigste erhält den Zuschlag."

Aber der Günstigste zu sein, ist für Renner nicht leicht. Mit seinen fest angestellten Mitarbeitern, die übertariflich bezahlt werden, muss er mit anderen konkurrieren, die nur eine Hand voll Angestellter beschäftigen und mit Subunternehmern und Sub-Subunternehmern zusammenarbeiten. "Diese Werkvertragsfirmen stammen aus dem Ausland, gründen eine Niederlassung in Deutschland und beschäftigen Polen, Rumänen, Tschechen und Bulgaren." Gezahlt werde der Mindestlohn. Elisabeth Renner ergänzt: "Wenn man Kalkulationen sieht von Mitbewerbern, die ein Viertel günstiger sind als wir, kann man sich wirklich nur noch wundern."

Der erste öffentliche Auftrag seit 15 Jahren

Die Firma, die in den boomenden 60er-Jahren 150 Angestellte hatte, steht trotzdem gut da. Das liegt an den privaten Auftraggebern, "die Wert legen auf Qualität, Zuverlässigkeit und einwandfreie Bauqualität". Gerade haben sie auch mal wieder einen öffentlichen Auftrag ergattert - nach 15 Jahren der erste. "Es wird eben nur auf die Kosten geschaut." Elisabeth Renner prangert dieses kurzfristige Denken an. Vor zwei Jahren hat sie deswegen an Münchens Oberbürgermeister Christian Ude geschrieben. Auf eine Antwort wartet sie bis heute.

So gerne Renners nur mit ihren eigenen Angestellten arbeiten - seit fünf Jahren ist das nicht mehr immer möglich. "Wir sind aus Kostengründen gezwungen, bestimmte Bereiche an Werkvertragsfirmen zu vergeben", sagt der Chef. Und fügt hinzu: "Wenn ich irgendwann nur noch mit Subunternehmern arbeiten müsste, dann würde ich nicht mehr weitermachen, dann wäre ich kein Bauunternehmer mehr."

Renners sind nicht nur mit einer großen eigenen Mannschaft tätig, sondern auch zum größten Teil mit eigenen Kränen. Neun Stück besitzen sie, zwischen 170 000 Euro und 350 000 Euro kostet einer. Spezialisiert haben sie sich auf schwierige Sanierungen und komplizierte Innenstadtbaustellen. "Besonders aufwändig war die Sanierung und der Neubau zwischen Neuhauser Straße und Altheimer Eck", erinnert sich Renner. "Die Baustelle war nur sieben Meter breit." Die Versorgung sei schwer gewesen und der Kran musste im Bereich des Grundwassers stehen. "Wir haben das Kranfundament mit Unterwasserbeton einbetoniert."

Noch denken Renners nicht ans Aufhören. Wenn es aber so weit ist, würde die technische Leitung der Bauleiter und Prokurist Behrnez Nazari übernehmen, der Michael Renner schon jetzt vertritt.

Trotzdem bliebe es aber zumindest teilweise beim Familienunternehmen. Denn es deutet sich an, dass sich die jüngere Renner-Tochter für die kaufmännische Leitung interessiert. Die heißt übrigens nicht Michael(a), sondern Ulrike.

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