Großes Überangebot drückt Kaffee auf Tiefst-Preise

- Hamburg - Die niedrigen Kaffee-Preise auf dem Weltmarkt schnüren den Kaffeebauern in den Entwicklungsländern förmlich die Luft ab. Fair gehandelter Kaffee liegt in Deutschland bei einem Marktanteil von einem Prozent. Und das, obwohl 60 Prozent der Deutschen das Trans-Fair-Prinzip unterstützen - offenbar solange sie es nicht bezahlen müssen.

<P>Doch die Preisspirale hat sich immer weiter nach unten gedreht, mittlerweile kostet ein Pfund Kaffee in Deutschland durchschnittlich 2,93 Euro und die großen Firmen ziehen die Notbremse.</P><P>Es ist nicht Mitleid mit den Bauern, das die deutsche Kaffeewirtschaft dazu bewogen hat, nach Wegen zu suchen, den Preisverfall zu stoppen. Es ist die Sorge um die Qualität des Produktes. Wer als Kaffeebauer für seine Ernten immer weniger Erlöse bekommt, dem fehlt das Geld, um in Qualität zu investieren. Die Rohkaffee-Preise reichen häufig nicht mehr aus, um die Produktionskosten zu decken, wodurch die Pflanzer gezwungen werden, Kosten zu sparen. "Wenn der Farmer nicht mehr in der Lage ist, seine Plantage zu pflegen, dann kriegen wir auch nicht die Qualitäten, die wir brauchen", erklärt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes, Winfried Tigges. Die künftige Versorgung der Konsumländer mit hohen Qualitäten werde damit erschwert.</P><P>Vom Kaffeeverband und dem Berliner Entwicklungshilfeministerium kam vor einiger Zeit die Idee, Standards für den Kaffeemarkt zu entwickeln, um soziale, ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Die Initiatoren haben es geschafft, sämtliche Anbauländer, Nichtregierungsorganisationen, internationale Gewerkschaften und vor allem die Kaffeekonzerne in Europa und Nordamerika an einen Tisch zu bekommen. Das Ziel: Verhaltensregeln, die für alle Beteiligten gelten sollen und den Preisverfall stoppen sollen. Der Kodex mit dem Namen "Common Codes for the Coffee Community" soll im Laufe des Jahres 2004 erarbeitet werden.</P><P>"Wir sind schon sehr weit", sagt Tigges. Ein Steuerungskomitee und eine Website gibt es schon, außerdem sind mehrere Arbeitsgruppen an dem Kodex beschäftigt. Dies lässt hoffen, dennoch klingt das Vorhaben utopisch. Grund für die Kaffee-Tiefstpreise sind üppige Ernten in Vietnam und Brasilien. Beide Länder stehen an der Spitze der Kaffee-Produktion und "drücken mit Mengen auf den Markt, die im Moment gar nicht konsumiert werden", erklärt der Hauptgeschäftsführer. Es gebe auf dem Weltmarkt ein Überangebot von 15 Prozent.</P>

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