Großraumzwerg am Start

- München - Wollen es die Autofahrer wirklich billig? Erste Erfahrungen in Frankreich legen das nahe. Denn dort war der Logan der rumänischen Renault-Tochter "Dacia" eine Woche nach Verkaufsstart bereits vergriffen. Nun ist das Auto für 7200 Euro auch in Deutschland zu bekommen.

<P>Allerdings sind die angepeilten Verkaufszahlen nicht gerade ehrgeizig: 3000 der Billig-Autos will Renault in diesem Jahr in Deutschland verkaufen. Konkurrent Volkswagen schafft das in zwei Monaten. Vom brasilinaischen Billig-Modell Fox für 9000 Euro hat VW allein im Mai 1764 Stück ausgeliefert.<BR><BR>So bleibt die Frage, ob die Neuerscheinungen auf dem Markt die gesamte Fahrzeugklasse zwischen Smart und Panda aus dem Mauerblümchendasein befreien können. Denn bisher brachen die Verkaufszahlen heuer gegenüber 2004 um rund 12 Prozent ein. Gerade erst hat nach einem Bericht von "Euro am Sonntag" Ford auf diesem Terrain eine Bauchlandung hingelegt: Der Ford-Mini "Ka Student" wurde im ersten Monat nach seinem Erscheinen  noch achtbare 1000 Mal verkauft, in den folgenden vier Wochen bis Mitte Juni ist der Absatz dem Bericht zufolge auf 100 Stück eingebrochen.<BR><BR>In der Kleinstwagen-Klasse wetteifern zwei Konzepte miteinander: Hier stehen Renault und VW mit ihren in Schwellenländern gebauten-Billig Modellen auf der einen Seite. Die Autos sind relativ geräumig und dafür besonders spartanisch ausgestattet - maßgeschneidert für die Entstehungsländer, wo auch ein Kleinwagen noch eine ganze Familie mit möglichst viel Gepäck befördern soll. Luxus aller Art gibt es - falls überhaupt - nur gegen Aufpreis.<BR><BR>Auf der anderen Seite stehen die rollenden Einkaufswagen vom Schlag eines Smart - eher als Zweit- bis Viertwagen für die mobile Familie gedacht. Sie sparen beim Raumangebot und wollen durch pfiffige Details und auch umfangreichere Ausstattung punkten. Klimaanlage oder Zentralverriegelung sind aber sowohl bei den Großraum-Zwergen als auch bei den Einkaufs-Winzlingen nur in den etwas besser ausgestatteten Varianten zu finden - oder in den Aufpreislisten.<BR><BR>Interessant dürfte die Auseinandersetzung noch werden, wenn ein französisch-japanisches Auto aus Tschechien voll mitmischen wird: Die Gemeinschaftsarbeit von Peugeot, Citroë¨n und Toyota setzt auf das Konzept pfiffiges Kleinstauto für die Garagenecke und ist preislich näher beim Fox als beim Billigheimer Logan angesiedelt. Der Citroë¨n C1 ist ab 8400 Euro auf dem Markt. Der Peugeot 107 ab 8900 Euro steht in den Startlöchern. Der Toyota Aygo soll folgen.<BR><BR>Eine potenzielle Kundengruppe scheint für den Dacia Logan schon verloren: Die Umweltbewussten, für die ein Auto ohnehin nur mit schlechtem Gewissen von A nach B bewegt werden soll. Diese Klientel hat der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) bereits in der "taz" vor dem Importauto aus Rumänien gewarnt. 162 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer und die eigentlich schon überholte Euro-Norm 3 drücken aufs Ökogewissen. Dazu kommen nicht veröffentlichte Lärmwerte, weshalb VCD-Sprecher Daniel Kluge der eigenen Klientel andere Lösungen vorschlägt: "Für das Geld gibt es auch schon gute gebrauchte von der VCD-Umweltliste oder ein Bahn-Jahresticket plus Car-Sharing."<BR><BR></P>

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