Großrazzia: Siemens im Visier des Staatsanwalts

- München - Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat seit Wochen schwer zu kämpfen. Nach dem Wirbel um eine 30-prozentige Erhöhung der Vorstandsbezüge stand er wegen der Pleite des ehemaligen Handy-Geschäfts am Pranger. Und jetzt ist sein Unternehmen ins Visier des Staatsanwalts geraten. Es geht um Veruntreuung von Millionenbeträgen.

200 Polizeibeamte, Staatsanwälte und Steuerfahnder haben gestern in einer Groß-Razzia 30 Büros und Privatwohnungen durchsucht, wie der Münchner Oberstaatsanwalt Anton Winkler bestätigte. Im Zentrum der Durchsuchungen habe der Großraum München gestanden. Außerdem sei Erlangen betroffen gewesen. Auch in Starnberg und Traunstein soll es Durchsuchungen gegeben haben. Dabei sind nach Informationen dieser Zeitung auch Vorstandsbüros durchsucht worden. Grund für die Aktion sei der Verdacht auf Veruntreuung von Firmengeldern bei Siemens, hieß es.

Laut "Spiegel Online" sollen Siemens-Mitarbeiter Firmenvermögen dazu genutzt haben, Bestechungsgelder an potenzielle Auftraggeber zu zahlen. Der Transfer sei auch über Auslandskonten - unter anderem in der Schweiz - abgewickelt worden. Es seien teils hochrangige Mitarbeiter betroffen.

Siemens bestätigte, dass der Verdacht der Veruntreuung "in einer noch nicht geklärten Anzahl von Einzelakten" bestehe. Insgesamt handele es sich um einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.

Die Ermittlungen betreffen das Festnetzgeschäft des Konzerns. Für diesen Bereich zeichnete der heutige Siemens-Chef Kleinfeld von Anfang 2004 bis Mitte 2005 im Zentralvorstand verantwortlich. Beschuldigt seien sechs Mitarbeiter, die zum Teil bereits aus dem Konzern ausgeschieden seien, teilte Siemens mit.

Nach Informationen dieser Zeitung zählt zu den Tatverdächtigen ein 39-Jähriger aus Murnau. Der Mann soll sich auf einer Geschäftsreise im Ausland aufgehalten haben, als gestern früh um sechs Uhr seine Privaträume durchsucht wurden. Dabei sollen Akten und ein Computer sichergestellt worden sein.

Wie der "Bayerische Rundfunk" berichtete, soll es bei der Razzia in München und Erlangen auch zur Vollstreckung mehrerer Haftbefehle gekommen sein. Weder Staatsanwaltschaft noch Siemens wollten sich zu weiteren Details äußern.

Siemens betonte, dass das Unternehmen "an einer umfassenden Aufklärung der Vorfälle hohes Interesse" habe. Der Konzern sei in diesem Zusammenhang Zeuge und werde die Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen mit Nachdruck unterstützen.

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