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Wer gezielt Geld in Wind- oder Sonnenenergie anlegen will, findet ein reichhaltiges Angebot an Ökofonds oder nachhaltigen Investmentangeboten.

Boom der Öko-Geldanlage

Grün, aber nicht immer unbedenklich

München - Wer ethisch verantwortlich investieren will, findet immer mehr Möglichkeiten. Doch auch bei diesem Investment kommt es auf die richtige Auswahl an.

Die Finanzkrise lässt Privatanleger verstärkt grün investieren: Immer mehr Bürger vertrauen ihr Geld den drei kleinen Öko-Banken in Deutschland an, eröffnen Umweltsparbücher, kaufen sich in „saubere“ Aktien- oder Rentenfonds ein, in Wasser- oder Solarkraftwerke, Bio-Supermärkte und freie Schulprojekte. Neben der Renditeaussicht motiviere die Anleger vor allem der Wunsch, dass mit Ihrem Geld endlich verantwortungsvoll gewirtschaftet werde, hat Marco Cabras beobachtet, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Auch Jens Dietrich, Experte der Verbraucherzentrale Sachsen, ist überzeugt: „Grüne Geldanlagen sind zum ernst zu nehmenden Markt geworden.“ Ihre Renditen könnten sich durchaus sehen lassen und brauchten den Vergleich mit klassischen Investitionen nicht zu scheuen. Grün investieren sei jetzt ein „echter Trend“, findet auch Lars Labryga, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Kein Raubbau

Die Fondsbranche hat sich bereits darauf eingestellt. Das Sustainable Business Institute (SBI) aus dem hessischen Oestrich-Winkel listet aktuell mehr als 200 nachhaltig verwaltete Publikumsfonds auf, ohne lupenreine Öko-Fonds. Ihr Merkmal: Sie sind nur in Unternehmen und Technologien investiert, die ethisch verantwortlich arbeiten und keinen Raubbau an der Zukunft betreiben. Firmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien sind da nur ein Beispiel. 13 Fonds mit einem Volumen von circa 140 Millionen Euro sind allein im ersten Halbjahr 2009 neu aufgelegt worden: 7 Aktien- und 2 Dach-, ein Misch-, zwei Rentenfonds und ein börsengehandelter Indexfonds (ETF, Exchange Traded Fund).

Grünes Festgeld

Aber wie investiert man am besten „grün“? Das komme wie bei den herkömmlichen Investments auch immer auf die Risikobereitschaft des Kunden an, erklärt Dietrich. Wer als klassischer Sparer null Risiko eingehen will, sollte sich ruhig einmal das Angebot der deutschen Öko-Banken – Nürnberger Umweltbank, GLS Gemeinschaftsbank in Bochum sowie die Ethikbank in Thüringen (eine Zweigniederlassung der Volksbank Eisenberg) – anschauen. Dort kann man genau wie bei anderen Geldinstituten auch ein Girokonto oder Sparbuch eröffnen, Festzins- oder Tagesgeldkonten anlegen, Depots verwalten und sich bei der Geldanlage beraten lassen – mit dem Unterschied, dass der Kunde jederzeit weiß, was mit seiner Einlage passiert.

So vergeben die Banken etwa nur Kredite an Umwelt- oder Sozialprojekte, an Firmen mit Zukunftstechnologien, Öko-Landwirte oder Behinderteneinrichtungen, je nach Geschäftsmodell. Wer dort Kunde wird, weiß: Sein Geld steckt nicht in Firmen, die in Waffengeschäfte oder Kinderarbeit verstrickt sind. Auch auf heikle Finanzmarktspekulationen oder Geschäfte mit Staaten, die Menschenrechte verletzen, wird ausdrücklich verzichtet. Dafür stehen die kleinen Banken gerade. Alle drei Institute können sich seit der Finanzkrise kaum retten vor Neukundenanfragen.

Nur als Beimischung

Wer etwas risikobereiter „grün“ investieren will, kann Öko-Aktien oder -Fonds kaufen, Zertifikate, ETF’s, Klima- und Ethikfonds, fondsgebundene grüne Lebens- und Rentenversicherungen und neuerdings auch entsprechende Immobilienfonds. „Vor allem Versicherer und die Immobilienbranche machen in letzter Zeit stark auf Öko“, betont Dietrich.

Das reichhaltige Angebot an Öko-Wertpapieren sei schwierig zu beurteilen, meint Aktionärsschützer Cabras. Am besten geeignet seien Fonds, die ihr Engagement möglichst breit streuen und so bei Kursverlusten mehr Puffer bieten als reine Themenfonds.

Von einzelnen Aktientiteln sollten ungeübte Börsianer auf jeden Fall die Finger lassen. Außerdem gilt: Wer auf Öko setzt, sollte sich entsprechende Wertpapiere nur als Beimischung ins Depot legen, um ihr Risko zu mindern. Der Hype um die Solarbranche habe gezeigt, dass Anleger auch in diesem Sektor herbe Rückschläge verkraften müssen.

Besondere Vorsicht ist bei direkten Unternehmensbeteiligungen geboten, bei denen meist größere Summen zur Finanzierung etwa von Windparks, Biomasse- oder Solaranlagen eingesammelt werden. Hier gibt es weder eine staatliche Aufsicht noch eine Einlagensicherung. Wer einsteigt, wird Unternehmer. Geht der Anbieter pleite, ist das investierte Geld in der Regel weg. „Da gibt es immer wieder Anbieter, die die grünen Wachstumschancen als Blendwerk nutzen“, warnt Dietrich.

von Berrit Gräber

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