Grüne-Woche-Start im Zeichen der Bioenergie

- Berlin - Bioenergie ist das beherschende Thema zum Start der 72. Internationalen Grünen Woche in Berlin. Die Europäische Union und Russland wollen angesichts des hohen Ölpreises verstärkt auf Bioenergie setzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte bei der Eröffnungsfeier am Donnerstagabend die wachsende Bedeutung der Bioenergie für die Landwirtschaft betont.

Selbst das an Öl und Erdgas reiche Russland entdeckt diesen Markt: Die Möglichkeiten zur Lieferung von Bioenergie sollten auf der Grünen Woche ausgelotet werden, sagte der russische Landwirtschaftsminister Alexej Gordejew in Berlin. Dabei werde auch an Bioethanol als Kraftstoff gedacht. Die Nutzung erneuerbarer Energiequellen ist Thema auf einem deutsch-russischen Forum. Die weltgrößte Schau der Agrar- und Ernährungswirtschaft öffnete heute offiziell für Besucher.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) warnte vor überzogenen Erwartungen an die Nutzung von Biomasse als Kraftstoff. Die Biomasse sei kein Allheilmittel zur Senkung der Klimabelastung. Nur in Kombination mit sparsamen Autos könne der Kraftstoff zu einer Klimaverträglichkeit des Verkehrs beitragen.

Die Hallen unter dem Funkturm waren zum Auftakt laut Messegesellschaft gut besucht. "Wir sind äußerst zufrieden", sagte der Sprecher Michael Hofer. Bis zum 28. August zeigen 1600 Aussteller aus 56 Ländern ihre Angebote der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Die Messe ist täglich von 10. bis 19.00 Uhr geöffnet.

Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) sagte beim traditionellen Eröffnungsrundgang über die Messe dem Bio-Landbau eine größtmögliche Förderung zu. "Was wir in der Politik dafür tun können, um das zu befördern, tun wir", versicherte er. Die Menschen seien bereit, für Qualität in diesem Bereich etwas auszugeben. Am Vortag hatte er allerdings erklärt, dass die Bundesregierung angesichts des Booms von Bio-Lebensmitteln keine zusätzlichen Fördergelder für den Öko- Landbau plant und der Markt entscheiden sollte.

Bayerns Landwirtschaftsminister Josef Miller (CSU) sprach sich für einen Verzicht auf die von der EU vorgegebene Stilllegung von Agrarflächen aus, um mehr nachwachsende Rohstoffe zu nutzen. Die Stilllegung sei angesichts großer Herausforderungen durch Klimaschutz und hoher Preise für fossile Energieträger fehl am Platz, sagte er. Die Äcker, die nicht zur Lebensmittelerzeugung benötigt würden, könnten zur Produktion von Bioenergie genutzt werden. Bayern spare durch nachwachsende Rohstoffe 2,5 Milliarden Liter Heizöl im Jahr.

Die Ernährungsindustrie und die Verbraucherzentralen warnten vor steigenden Lebensmittelpreisen: Wenn die Industrie wegen eines Bioenergiebooms nicht mehr ausreichende Rohstoffe zu akzeptablen Preisen bekomme, müssten die Konsumenten mehr bezahlen. Was an der Tankstelle gespart werde, müsse im Supermarkt mehr bezahlt werden.

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