Grüne zeigen Adidas die rote Karte

- Berlin - Die Grünen zeigen dem Adidas-Konzern zur Fußball-WM die rote Karte. Kein anderer Dax-Konzern biete so wenige Lehrstellen wie Adidas. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer spricht von einem "Skandal" und fordert, die Regierung müsse Großunternehmen mit kleiner Ausbildungsquote gezielt "unter Druck" setzen. Vor dem Hintergrund der Lehrstellenkrise - im Herbst werden laut Bund 31 000 Plätze fehlen - nahmen die Grünen die Dax-Konzerne unter die Lupe.

Das Ergebnis: Nur 8 der 25 Unternehmen, die auf Anfrage antworteten, erfüllen das Soll. Lufthansa, MAN, Eon und Commerzbank reservieren etwa 7 Prozent ihrer Stellen für Azubis. Würden sich alle Betriebe an diese Quote halten, bekäme jeder Jugendliche eine Lehrstelle. Deutsche Bank (11,4), Tui (11), Metro (8,4) und Bayer (8,2) übertreffen die Quote sogar.

Weniger gut sieht es bei RWE, Thyssen, Allianz, BASF, Siemens, Münchener Rück und BMW aus - sie kommen auf eine Azubi-Quote von 5 bis 6 Prozent. Noch niedrigere Lehrlingszahlen melden Schering, Linde, Daimler-Chrysler, Henkel, VW, Continental, Infineon und Fresenius.

Schlusslicht ist der Sportartikelhersteller Adidas im fränkischen Herzogenaurach. Die offizielle Ausbildungsquote: höchstens 2 Prozent. Auf 2600 Arbeitsplätze kommen bei der Weltmarke rund 40 Lehrstellen. Weil Adidas während der Fußball-WM noch stärker als bisher um junge, kaufkräftige Kunden wirbt und direkt vor dem Berliner Reichstag eine riesige Fußballarena errichtet hat, wollen die Grünen an dem Konzern ein Exempel statuieren. Eine Kundgebung sowie Postkarten, Massen-Mails und Protestbriefe unterstützen die Kampagne "Adidas muss ausbilden".

"Realitätsverweigerung" wirft Grünen-Chef Bütikofer dem CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos vor, der nur 50 Kilometer entfernt wohnt. Adidas habe mehr Fußball-Millionäre unter Vertrag als Auszubildende, sagt Bütikofer. Er hält es für "ein starkes Stück, dass diese Firma, die ihr Geschäft ganz wesentlich mit Jugendlichen macht, weniger ausbildet als irgend ein anderes Dax-Unternehmen".

Adidas nimmt die Vorwürfe "mit einiger Verwunderung" zur Kenntnis. "Innerhalb von fünf Jahren haben wir die Mitarbeiterzahlen in Deutschland fast verdoppelt, und zwar durch Einstellungen, nicht durch Zukauf anderer Unternehmen", betont eine Konzernsprecherin. Adidas selbst kommt auf eine Ausbildungsquote von 8 Prozent. Allerdings werden in die Rechnung fast 200 Praktikanten und Trainees einbezogen.

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