"Grundbesitz-Invest" wieder offen: Bank entschädigt für Wertkorrektur

- Ab heute können Anleger wieder Anteile des offenen Immobilienfonds "Grundbesitz-Invest" von der DB Real Estate kaufen und verkaufen. Die Deutsche-Bank-Tochter hatte den Fonds nach einer angekündigten Neubewertung unter viel Kritik geschlossen, da sich eine massive Kapitalflucht abzeichnete. Mittlerweile sind die Sachverständigen zu dem Ergebnis gekommen, den Wert des Immobilienbestands leicht nach unten zu korrigieren. Unsere Zeitung erklärt, wie die Anleger dafür entschädigt werden und ob sie ihre Scheine behalten sollen.

Was war passiert?

Die DB Real Estate hatte am 9. Dezember 2005 die Ausgabe von Anteilen am Grundbesitz-Invest (Isin: DE 00 09 80 70 08) eingestellt und angekündigt, den Wert des Immobilienbestands zu berichtigen. Zahlreiche besorgte Anleger hatten daraufhin versucht, ihre Anteile abzustoßen. Um Liquiditätsengpässe zu vermeiden, reagierte die Bank mit einem historisch einmaligen Schritt: Sie schloss den Fonds. Daraufhin zogen Anleger auch aus anderen Immobilien-Fonds mehrere Milliarden Euro ab, weswegen auch KanAm die Rücknahme zweier Fonds stoppen musste.

Um wie viel werden die Anteile abgewertet?

Die unabhängigen Sachverständigen haben entschieden, dass beim Grundbesitz-Invest der Wert der deutschen Immobilien des Fonds um 5,7 Prozent nach unten korrigiert werden muss. Da sie die ausländischen Objekte im Schnitt leicht aufwerteten, ergibt sich insgesamt ein Minus von 2,4 Prozent. Dies entspricht bei einem Gesamtvolumen von rund sechs Milliarden Euro 147 Millionen Euro. Für die rund 300 000 Anleger bedeutet die Korrektur, dass der Anteilswert von 38,40 auf 37,17 Euro sinkt. Für den Verlust verspricht die Deutsche Bank jedoch eine Entschädigung.

Wie funktioniert die Entschädigung?

Nach Angaben von DB Real Estate erhalten betroffene Grundbesitz-Investoren in den kommenden Tagen ein individuelles Angebot per Post. Grundsätzlich soll ihnen die Differenz zwischen dem ursprünglichen Kaufpreis - einschließlich Ausgabeaufschlag - und dem neuen Anteilswert ausgezahlt werden. Die Stiftung Warentest rechnet auf ihrer Internetseite vor: "Ein Anleger, der Anteile für 100 Euro gezeichnet hatte und dafür 105 Euro bezahlt hat, soll auch nach der Neubewertung noch 105 Euro haben. Sind die Fondsanteile weniger wert, erstattet ihm die Deutsche Bank die Differenz." Ein Sprecher des Instituts sagte, die Summe werde überwiesen. "Die Kunden brauchen nichts zu tun", hieß es.

Gibt es einen Haken?

Einige Verbraucherschützer monierten, dass die Bank gezahlte Ausschüttungen auf die Entschädigung anrechnen will. Nach dem Bericht einer Nachrichtenagentur prüfen derzeit Rechtsanwälte das Angebot und behalten sich rechtliche Schritte vor. Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), sieht jedoch kaum Chancen für Anleger, etwas einzuklagen: "Wenn die Entschädigung kommt, gibt es keinen Anspruch auf Schadenersatz", erklärte er unserer Zeitung.

Sollte man die Fonds-Anteile jetzt abstoßen?

Wegen der Schließung des Grundbesitz-Invest sind offene Immobilienfonds bei Kleinanlegern zuletzt in Verruf geraten. Branchenbeobachter halten es deswegen für möglich, dass zahlreiche Anleger die Wiedereröffnung des Fonds nutzen, ihr Kapital abzuziehen. Der Chefredakteur des Magazins "Finanztest", Herman-Josef Tenhagen, rät jedoch lediglich Anlegern, die ihr Geld in den nächsten Monaten benötigen, auszusteigen. "Wer mittelfristig denkt, kann sein Kapital ruhig drin lassen", sagte Tenhagen auf Nachfrage. Der Grundbesitz-Invest sei einer der besseren Immobilien-Fonds.

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