,Grundig wird es nicht mehr geben

- Nürnberg - Der Himmel hatte sich eingetrübt. Am Schicksalstag von Grundig empfingen graue Wolken und Nieselregen die Mitarbeiter am Werkstor. Wortlos und mit versteinerten Gesichtern passierten sie die Pförtnerloge, um zu ihren Arbeitsplätzen zu hasten - manche wohl das letzte Mal. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist der Weg zur Zerschlagung des Unternehmens frei.

<P>Bei den Mitarbeitern ist die Resignation nach jahrelangem Hoffen und Bangen zu spüren. "Was soll ich noch sagen, wenn ich morgen arbeitslos bin", sagt ein grau melierter Aktentaschen-Träger im Vorbeigehen. Ein anderer spricht von "mieser Stimmung", viele murmeln etwas von "Management-Fehlern".</P><P>Eine 55-jährige Vertriebsmitarbeiterin hatte gestern eigentlich ihr 35-jähriges Betriebsjubiläum. Die Lust aufs Feiern sei ihr vergangen. "Ich empfinde nur noch Wut und Enttäuschung", sagt sie. "Es hat da viele Fehlentscheidungen gegeben - auch in der jüngsten Zeit." "An uns lag's jedenfalls nicht", fügt ihr Kollege zornig hinzu.</P><P>Jüngere Beschäftigte hoffen trotz der verfahrenen Lage auf eine neue Zukunft. Zu ihnen gehört der 35-jährige Elektrotechniker Uwe Felbinger, der im Radfahrer-Outfit auf das Werkstor zustrebt. "Ich habe Grundig viel zu verdanken. Zu sehen, wie es jetzt mit dem Unternehmen abwärts geht, das tut schon ein bisschen weh", sagt er. "Ich hoffe aber, dass das Unternehmen wieder auf die Beine kommt und dass ich dabei bin."</P><P>Bei Älteren herrscht Verbitterung vor. Für viele bedeutet die Grundig-Insolvenz das Ende ihres Berufslebens. Zu ihnen gehört auch ein 55-jähriger Angestellter. Er sieht seine Zukunft illusionslos: "Ich krieg eh keinen neuen Job mehr. Wer stellt einen mit 55 Jahren ein - das können Sie vergessen." Als Brücke setzt er auf ein Jahr Beschäftigungsgesellschaft und auf drei Jahre Arbeitslosigkeit. "Das letzte Jahr bis zur Rente muss mich eben meine Frau durchfüttern."</P><P>Ausgerechnet im "Innovationscenter" von Grundig trat am Nachmittag Insolvenzverwalter Siegfried Beck an, um den bittersten Tag in der langen Geschichte des Konzerns zu erläutern: Das Insolvenzverfahren war eröffnet worden. Ein wechselvolles Kapitel deutscher Industriegeschichte damit zu Ende.</P><P>In Wirtschaftswunder-Zeiten hatte das von Max Grundig (1908-1989) gegründete Unternehmen einen klangvollen Namen. 1979 beschäftigte es 38 000 Mitarbeiter. Nun, knapp 20 Jahre nach dem Rückzug des Firmengründers, verschwindet der letzte große deutsche Hersteller von Unterhaltungselektronik vom Markt. Grundig konnte sich in einem Markt, der in ein Hochpreis- und ein Billigsegment geteilt ist, nicht mehr halten.</P><P>Managementfehler kamen hinzu. Anfang der 90-er Jahre rutschte Grundig in die roten Zahlen. Der Philips-Konzern, der bis 1997 die Führung bei Grundig hatte, schlachtete den fränkischen Konzern nach Ansicht von Beobachtern am Ende nur noch aus.<BR>Als der Rosenheimer Antennenfabrikant Anton Kathrein 2000 die Mehrheit übernahm, keimte wieder Hoffnung auf. Doch die Suche nach einem Investor war vergeblich. Interessenten waren vor allem am Markennamen interessiert, der noch immer einen guten Klang hat.</P><P>Investoren werden sich nun aus dem "Gemischtwarenladen" - so Vorstandssprecher Werner Saalfrank - Rosinen wie die Sparten Autoradios oder Diktiergeräte, herauspicken. "Die Firma Grundig wird es nicht mehr geben", so Insolvenzverwalter Beck.</P><P><BR> </P>

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