Grundig wird zerschlagen

- Nürnberg - Der traditionsreiche Elektronikkonzern Grundig wird nach einer mehr als 50-jährigen Geschichte zerschlagen. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens machte das Amtsgericht Nürnberg den Weg frei für einen Verkauf der einzelnen Unternehmensteile. Der zum Insolvenzverwalter bestellte Nürnberger Rechtsanwalt Siegfried Beck sagte, die Suche nach Investoren werde intensiv fortgesetzt. Es gebe für die einzelnen Bereiche jeweils mehrere Interessenten.

"Unser Ziel ist es, den Mythos Grundig nicht verschwinden zu lassen", sagte Beck. Ziel der Insolvenz sei es, den Geschäftsbetrieb reduziert aufrecht zu erhalten und profitable Sparten am Leben zu erhalten. Es werde unter dem Namen Grundig mehrere Nachfolgegesellschaften geben, sagte Beck. Man wolle für die vier Bereiche Car Intermedia Systems (CIS/Autoradios), Grundig Business Systems (GBS/Diktiergeräte), Satellitensysteme und Fernsehen/Audio baldmöglichst Investoren zu finden. CIS und GBS sind rechtlich selbstständig und von der Insolvenz nicht betroffen.<P>Die rund 1300 verbliebenen Beschäftigten wechseln zunächst in eine Qualifizierungsgesellschaft. 500 von ihnen sollen als "Kernmannschaft" bei Grundig den Geschäftsbetrieb weiterführen und Produkt-Neuentwicklungen fortsetzen. 700 weitere Beschäftigte werden sofort bei der Nürnberger "Gesellschaft für Personalentwicklung und Qualifizierung" (GPQ) angestellt und sollen Investoren zur Verfügung stehen. Rund 100 Auszubildende sollen bei Grundig-Töchtern weiter lernen. Nach Angaben von Betriebsratschef Thomas Schwarz hat die Auffanggesellschaft zunächst eine Laufzeit von acht Monaten. Man hoffe auf eine Verlängerung. "Es ist eine gute Lösung", sagte Schwarz.</P><P>Nach Becks Worten ist die Finanzierung der Beschäftigungsgesellschaft am Montag erst "in allerletzter Sekunde" gelungen. Die Banken hätten sich schließlich zu einem Massekredit von 18 Millionen Euro durchgerungen. Jeweils eine Million Euro kommen aus Mitteln der Bundesanstalt für Arbeit sowie des bayerischen Arbeitsministeriums. "Es waren sehr dramatische Tage", sagte Beck.</P><P>Namen potenzieller Investoren nannte Beck nicht. Wann es zu Verträgen kommen werden, wage er nicht zu prophezeien. Für den verlustreichen Kernbereich TV/Video/Audio gelten die chinesische D'Long-Gruppe sowie die Konzerne Beko (Türkei) und Sampo (Taiwan) als Interessenten. Nach Schätzung der IG Metall könnten insgesamt 350 bis 500 Arbeitsplätze dauerhaft gesichert werden. "Der Verkauf einzelner Firmenteile wird jetzt schnell gehen", sagte der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Nürnberg, Gerd Lobodda.</P><P>Die Beschäftigten wurden in einer Betriebsversammlung informiert, die nach Aussagen von Beteiligten sehr ruhig ablief. Bereits am Dienstag erhielten sie auch ihre neuen Verträge mit der GPQ. Mitarbeiter reagierten mit Bitterkeit auf die neueste Entwicklung. "Es wurden viele Fehlentscheidungen getroffen bis in die jüngste Vergangenheit", sagte eine 55-jährige Vertriebs-Mitarbeiterin vor den Grundig-Werkstoren.</P><P>Nach Angaben des Insolvenzverwalters ist Grundig bis in den Oktober hinein lieferfähig. Kundendienst und Ersatzteillieferungen seien gewährleistet. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin werde Grundig vertreten sein. "Das wäre sonst ein schlimmes Signal an Kunden und Händler."</P>

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