Mit dem Grundig-Kauf wird die türkische Beko Nr. 1 in Europa

- Nürnberg - "Grundig - Die Zukunft des Fernsehens", stand auf großen Tafeln am Eingang zum Pressekonferenz-Saal. Die Realität sieht etwas anders aus: Mit dem Verkauf des Kernbereichs Fernsehgeräte an das britisch-türkische Konsortium Alba/Beko ist gestern nach fast sechs Jahrzehnten ein bewegtes Kapitel deutscher Industriegeschichte zu Ende gegangen. Das traditionsreiche fränkische Unternehmen Grundig gibt es bis auf kleine Reste nicht mehr.

<P>Der Name allerdings bleibt. An der immer noch starken Marke, hergeleitet vom 1989 gestorbenen Firmengründer Max Grundig, wollen künftig die unterschiedlichsten Unternehmen aus der ganzen Welt verdienen. Insolvenzverwalter Siegfried Beck kann die nach zähen Verhandlungen erzielten Ergebnisse dennoch als Erfolg verbuchen. Immerhin gelang es dem Nürnberger Rechtsanwalt, die einzelnen Unternehmensteile zu verkaufen und den Sturz der "Grundigianer" in die Arbeitslosigkeit zu verhindern. Bis heute, so Becks Rechnung, seien immerhin 1500 "aktive Arbeitsplätze" gerettet worden.</P><P>200 davon garantiert Alba/Beko für das Kernstück, die Home Intermedia Media Systems (HIS) mit den Bereichen TV, HiFi, Video, CD- und DVD-Player. Mehr als 800 Stellen wurden beim Verkauf der Autoradio-Sparte an den US-Auto-Zulieferer Delphi gesichert, 133 beim Verkauf des Bereichs Diktiergeräte an die Beteiligungsgesellschaft Induc.</P><P>In der insolventen Grundig AG verbleiben zunächst rund 300 Mitarbeiter. Doch auch für viele von ihnen ist eine Lösung in Sicht. Sie sollen nach der Zerschlagung entweder in einer Dienstleistungsgesellschaft für die neuen Sparten tätig sein, oder innerhalb dieser Bereiche angestellt werden. Für 81 weitere Beschäftigte im noch zu verkaufenden Bereich Satellitenstationen soll ebenfalls bald eine Lösung gefunden werden. Insgesamt bleiben dann von 2801 Arbeitsplätzen vor der Insolvenz 1750 erhalten. 300 Arbeitnehmer haben andere Stellen gefunden.</P><P>Auch die Arbeitnehmervertreter würdigten diese Erfolge. "Mit der Lösung kann man unter diesen Umständen zufrieden sein", sagte Nürnbergs IG Metall-Chef Gerd Lobodda. "Es hätte grausamer kommen können." Immerhin blieben auch am Standort Nürnberg rund 500 Stellen erhalten. Verglichen mit den Glanzzeiten des Traditionskonzerns - 1979 beschäftigte Max Grundig 38 000 Mitarbeiter - sind das freilich Brosamen. "Das war die letzte Schlacht", sagte Lobodda. "Ein trauriges, skandalträchtiges Kapitel geht zu Ende." Auch der frühere Betriebsratschef Thomas Schwarz erinnerte an den langsamen Niedergang: "Grundig ist kaputt gemacht worden."</P><P>Die neuen Grundig-Besitzer muss dies nicht kümmern. Sie beschworen gestern rosige Zeiten. "Jeder Deutsche wird wieder Grund haben, stolz auf Grundig zu sein", sagte Beko-Präsident Ali Sümerval. Auch Grundig-Manager Hubert Roth, der die beiden Nürnberger Gesellschaften leitet, sagte eine "blühende Zukunft" voraus: "Die Weichen sind auf Wachstum gestellt." </P><P>Beko sieht sich auf dem besten Weg zum Marktführer in Europa. "Dieser Kauf öffnet Beko eine sehr bedeutende Tür in Europa und in der Welt", sagte Generaldirektor Ali Sümerval. Der ohnehin für 2005 angestrebte erste Platz sei mit der Grundig-Übernahme "vorzeitig realisiert" worden. Zugleich stärke Beko seine "Stellung in der Weltliga".</P><P> </P>

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