Grundig-Zerschlagung besiegelt

- Nürnberg - Mit dem Verkauf der Kernsparte Fernsehgeräte ist die Zerschlagung des insolventen Grundig-Konzerns besiegelt. Das britisch-türkische Konsortium Alba/Beko übernahm den Bereich Home Intermedia Systems (HIS) am Donnerstag für knapp 80 Millionen Euro. Die Käufer verpflichteten sich, den Geschäftsbetrieb mit mindestens 200 Beschäftigten fortzuführen. Die traditionsreiche Marke bleibt erhalten.

<P>Die Grundig-Aktivitäten würden in zwei Gesellschaften mit Sitz in Nürnberg fortgeführt, berichtete Insolvenzverwalter Siegfried Beck. Eine Gesellschaft werde die weltweiten Serviceaktivitäten wahrnehmen. In der zweiten Gesellschaft werde das bisherige Kerngeschäft mit Forschung und Entwicklung, Marketing und Vertrieb fortgeführt. Chef beider Gesellschaften ist Hubert Roth, zuletzt Leiter von Marketing und Vertrieb.</P><P>Der Gläubigerausschuss hatte die Lösung am Mittwochabend einstimmig gebilligt. Am Donnerstag wurde der Vertrag unterzeichnet. "Er enthält keinerlei Vorbehalte", sagte Beck. Jedoch bedürfe er noch der Zustimmung der Kartellbehörde. "Wir haben die beste Lösung gefunden", sagte Beck. Die Marke Grundig werde den Markt der Unterhaltungselektronik auch künftig wesentlich mitgestalten. Beck lobte die verbliebenen Grundig-Mitarbeiter. Nach der Insolvenz habe sich das Unternehmen stabilisiert und wieder an Wert gewonnen. Nach Roths Worten könnten bereits 2004 wieder schwarze Zahlen geschrieben werden.</P><P>Beko Elektronik (Istanbul) liefert seit längerem Fernsehgeräte für Grundig und stand bereits vor einem Jahr kurz vor dem Einstieg, sagte dann aber ab. Mit der Übernahme sieht sich das türkische Unternehmen auf dem Weg zum Marktführer in Europa. "Dieser Kauf öffnet Beko eine sehr bedeutende Tür in Europa und in der Welt", erklärte Generaldirektor Ali Sümerval. In der TV-Geräte-Fertigung stehe man in Europa derzeit auf Platz drei, wolle aber Marktführer werden. Beko Elektronik gehört zur Koc-Holding, einem der größten Konzerne in der Türkei, und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 720 Millionen Euro.</P><P>Der Präsident von Alba plc, Daniel Harris, sagte, Grundig habe noch immer einen der stärksten Namen in der europäischen Unterhaltungselektronik. Alba ist nach eigenen Angaben mit Marken wie Goodmans und Roadstar führender Lieferant von Fernsehgeräten und HiFi-Anlagen in Großbritannien. Ebenso wie Grundig bezieht Alba bereits Fernsehgeräte von Beko.</P><P>Auch Arbeitnehmervertreter lobten die gefundene Lösung. "Die Belegschaft trägt sie aus ganzem Herzen mit", sagte die Anwältin Christine Roth, die die Beschäftigten im Gläubigerausschuss vertreten hatte. Der Nürnberger IG Metall-Chef Gerd Lobodda äußerte "Respekt und Anerkennung" für das Verhandlungsergebnis. "Was hier vorliegt, gibt Hoffnung", sagte er. Seit der Insolvenz habe sich kein Grundig- Beschäftigter arbeitslos melden müssen.</P><P>In den vergangenen Monaten waren bereits die Autoradio-Sparte mit 821 Beschäftigten an den US-Autozulieferer Delphi und die Sparte Diktiergeräte mit 133 Beschäftigten an die Beteiligungsgesellschaft Induc verkauft worden. Für den Bereich Satellitenstationen mit 81 Mitarbeitern gebe es drei Interessenten, sagte Beck. Weitere 250 Beschäftigte bleiben in der "Grundig AG in Insolvenz Dienstleistungen" tätig, 50 im "Insolvenzteam". 747 Grundigianer wechselten in Beschäftigungsgesellschaften.</P>

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