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Grundrente: Kann man davon leben? Verkäuferin zieht nach Experiment bitteres Fazit

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Von: Markus Hofstetter

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Die Grundrente soll geringe Renten aufstocken. Ob das funktioniert sollte ein Experiment zeigen. Bei der Testperson sorgte das für „ganz schöne Panik“.

München - Nach Inkrafttreten der Grundrente am 1. Januar 2021 warten viele Rentnerinnen und Rentner auf ihre Bescheide, die ab Juli verschickt werden. Dann erfahren Sie, wieviel Geld sie monatlich zusätzlich zu ihrer normalen Rente erhalten werden. Nach Schätzungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) haben von den insgesamt 21 Millionen Rentenbezieher in Deutschland rund 1,3 Millionen Anspruch auf die Grundrente.

Die Grundrente soll einen Ausgleich schaffen für Menschen, die lange gearbeitet haben, aber dennoch nur eine sehr geringe Rente erhalten. Beziehungsberechtigt sind Rentenversicherte, die mindestens 33 Jahre lang Rentenbeiträge gezahlt haben, sei es durch Beitragszahlungen, Kindererziehung oder Pflegetätigkeiten. Die zweite Voraussetzung ist, dass das Jahresgehalt im Jahresschnitt 30 bis 80 Prozent des Durchschnittslohns betragen hat.

Experiment mit Grundrente: Am Ende bleiben drei Euro übrig

Der Fernsehsender RTL wollte in einem Experiment feststellen, ob die durch die Grundrente aufgestockte Rente zum Leben reicht. Im Mittelpunkt steht die 48 Jahre alte Verkäuferin Sabrina, die seit der Geburt ihres Kindes in Teilzeit arbeitet. Obwohl sie bereits 31 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, kann sie laut dem aktuellen Rentenbescheid nur mit einer Rente in Höhe von 482 Euro rechnen.

In dem Experiment wird folgende Rechnung aufgemacht. Inklusive der Grundrente würde Sabrinas Rente auf brutto 850 Euro steigen. Davon würden 700 Euro netto übrigbleiben. Davon werden folgende Ausgaben abgezogen:

Miete362 Euro
Strom, Gas und Internet60 Euro
Telefon (Smartphone und Festnetz)25 Euro
Sachversicherungen20 Euro
öffentliche Verkehrsmittel51 Euro
Kontoführungsgebühren10 Euro

Damit bleiben Sabrina 172 Euro im Monat zum Leben. Für das zweiwöchige Experiment drückt ihr RTL 86 Euro in die Hand.

Ihr erster Gang führt sie zu einem Discounter, wo sie für Lebensmitteleinkäufe knapp über 29 Euro bezahlt. Nicht dabei sind Getränke oder Toilettenartikel. Am Ende der zwei Wochen hat Sabrina noch drei Euro übrig.

Experiment mit der Grundrente: Verzicht auf Freizeit war das schlimmste

Der Verzicht auf die Freizeit sei für sie das Schlimmste gewesen, so Sabrina nach dem Experiment. Die Verkäuferin weiter: „Es hat Zweifel gegeben, dass ich am Ende mit Nichts dastehe und sage: Jetzt hast Du zu viel ausgegeben.“ Was soll sie in den anderen Tagen oder Wochen machen, die jetzt vielleicht noch vor ihr stehen? „Da hatte ich schon ganz schöne Panik, das sage ich ganz ehrlich“, erzählt Sabrina über ihr Innenleben.

Sabrina steht exemplarisch für einen Teil der Bevölkerung, die von Altersarmut am häufigsten betroffen ist. Das sind Frauen, die wegen Kinderbetreuung oder Teilzeitarbeit weniger verdienen und damit weniger Rentenbeiträge einzahlen. Sie haben auch nicht die Möglichkeit, sich Geld für das Alter zurückzulegen. Die Grundrente soll ihnen helfen, in der Rente besser zurecht zu kommen. Doch ein Ergebnis des RTL-Experiments ist, dass dies nicht ausreicht.

Auch Hartz IV-Empfänger kommen oft eher schlecht als recht über die Runden. Dies zeigt ein Beitrag des Fernsehsenders RTL2, in dem die 14-jährige Florentine erschreckende Einblicke in die Welt der Kinderarmut gibt.

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