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Ärger um Grundsteuer: So verhindern Sie, dass Sie zu viel an den Fiskus zahlen

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Von: Lisa Mayerhofer

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Eigentümer haben nicht mehr viel Zeit, um ihre Erklärung zur Grundsteuer abzugeben. Wie Eigentümer beim Ausfüllen der Formulare Geld sparen – und Ärger mit dem Finanzamt vermeiden.

Berlin – Viele Immobilienbesitzer tun sich mit der Abgabe der Feststellungserklärung für die neue Grundsteuer noch schwer. Wie eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums im September mitteilte, sind bislang erst knapp 18 Prozent der Erklärungen abgegeben worden. 6,2 Millionen Formulare seien online ausgefüllt worden, rund 584.000 Erklärungen seien in Papierform eingegangen.

Grundsteuer-Erklärung: Fristverlängerung nicht in Sicht

Die Abgabefrist für die Grundsteuer-Erklärung endet regulär am 31. Oktober – die Zeit drängt also. Zwar fordern Verbände und einige Landespolitiker eine Verlängerung und auch Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) zeigte sich dieser Idee gegenüber nicht abgeneigt. Doch eine offizielle Bestätigung einer Fristverlängerung ist bisher nicht in Sicht.

Wer seine Grundsteuer-Erklärung noch nicht abgegeben hat, sollte sich also möglichst bald damit auseinandersetzen – und tunlichst Fehler vermeiden. Denn wer die Formulare zu seinen Gunsten falsch ausgefüllt hat, der kann wegen leichtfertiger Steuerverkürzung belangt werden. „Wem Vorsatz nachgewiesen wird, dem droht ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung“, warnt Sibylle Barent, Steuerexpertin bei Haus und Grund, im Handelsblatt.

Wir zeigen Ihnen mit einfachen Tipps, wie Sie sich Ärger mit dem Finanzamt sparen können, aber auch nicht durch kleine formale Fehler draufzahlen müssen.

Grundsteuer-Erklärung: Tool-Tipp von Stiftung Warentest

Wer sich beispielsweise mit der Grundsteuer-Erklärung über Elster schwertut, kann sich an dem Grundsteuer-Portal des Bundesfinanzministeriums versuchen. Dort lotsen gezielte Fragen und ausführliche Infotexte zügig durch die Grundsteuer-Erklärung, lobt die Stiftung Warentest. Die Hilfen seien zudem übersichtlich angeordnet und hätten eine sinnvolle Länge, so das Urteil der Tester. Allerdings lässt sich der Service nur in Ländern nutzen, die nach dem Bundesmodell verfahren. Betroffenen in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen und Niedersachsen nützt das Tool also nichts.

Landtag diskutiert über längere Frist für Grundsteuererklärung
Die Website des Steuerportals Elster ist auf einem Bildschirm geöffnet. © Marijan Murat/dpa/Illustration

Papier statt Digitalisierung: Fehlermeldungen vermeiden

Immerhin haben es Eigentümer in Bayern dafür aber leichter, die Grundsteuererklärung in Papierform abzugeben. Die Abgabe in Papierform empfiehlt ein Hotline-Mitarbeiter, der für das Finanzamt in Nordrhein-Westfalen telefonisch Fragen zur Grundsteuer beantwortet, auch im Spiegel. „Wenn sich Leute noch nicht einmal bei Elster angemeldet haben, sage ich mittlerweile oft: Lassen Sie das ganz sein, machen Sie die Erklärung auf Papier. Das schont die Nerven, für beide Seiten. Denn in Papierform bekommt man keine Fehlermeldungen, die man dann eine halbe Stunde lang übers Telefon loszuwerden versucht.“

Zwar würde suggeriert, dass man erst beweisen müsse, dass man die Erklärung auf keinen Fall online machen kann. „Aber ich will nicht, dass mir 90-Jährige erst ihre Krankheitsgeschichte erzählen müssen“, sagt der Mitarbeiter dem Magazin. Mittlerweile setze er jeden, der das möchte, auf die Postliste.

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Wie Balkon, Keller und Co. zur Wohnfläche zählen

Beim Ausfüllen der Grundsteuer-Erklärung lohnt es sich außerdem, die Wohnfläche sorgfältig zu ermitteln. Denn die Eigentümer müssen nicht alle Räume berücksichtigen oder diese in ihrer vollen Größe angeben. Nur zur Hälfte der Grundfläche zählen zum Beispiel unbeheizbare Wintergärten und Dachschrägen zwischen einem und zwei Meter Raumhöhe. Dachgärten, Balkone, Loggien, und Terrassen können sogar nur zu einem Viertel dazugezählt werden. Keller, Treppen, Dachböden sowie Räume unter Dachschrägen, die weniger als einen Meter hoch sind, müssen bei der Wohnfläche gar nicht dazugezählt werden.

Grundsteuer-Erklärung: Unterschied zwischen Wohn- und Nutzflächen beachten

Oft ist auch der Unterschied zwischen Wohn- und Nutzflächen nicht ganz klar. Dabei lohnt es sich, das zu wissen: Nutzflächen sind nämlich im Gegensatz zu Wohnflächen bei den Landesmodellen steuerlich nicht begünstigt, erklärt der Bund der Steuerzahler im Handelsblatt. „Wer folglich für zu Wohnnutzung zugehörige Flächen als Nutzflächen statt als Wohnflächen deklariert, zahlt am Ende mehr Grundsteuer“, warnt der Verband im Magazin. Als Nutzfläche zählt beispielsweise ein Verkaufsraum oder ein offizielles Büro. Das klassische Arbeitszimmer gehört dagegen meist zur Wohnfläche. Auch ein Hauswirtschaftsraum, sofern er nicht im Keller liegt und damit überhaupt nicht berechnet werden muss, gilt als Wohnfläche.

Garagenplätze: Unterschiede bei den Bundesländern beachten

Anders verhält es sich dagegen mit einem Garagenplatz: Wer einen solchen besitzt, muss ihn zwar in der Grundsteuererklärung angeben, wobei die Fläche im Bundesmodell aber keine Rolle spielt. Ausnahmeregelungen dazu gibt es in den Ländern Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Bayern. Dort zählen Garagenplätze, die in räumlichem Zusammenhang zur Wohnnutzung stehen, bis zu einer gewissen Quadratmeterzahl nicht zur Wohnfläche.

Den Sonderfall Bayern erklärt Lukas Hendricks, Dozent beim Landesverband der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe in Bayern: „Befindet sich die (Tief-)Garage in unmittelbarer Nähe zur Wohnung, wird sie bis zu einer Größe von 50 Quadratmetern nicht angesetzt“, erklärt Hendricks dem Merkur. Gehört sie nicht zur gleichen wirtschaftlichen Einheit, muss sie dem Grundstück vertraglich zugeordnet werden, um den Freibetrag zu nutzen. Stellplätze im Freien und Carports werden hingegen gar nicht angesetzt.

Grundsteuer: Gibt es Ermäßigungen?

Für Eigentümer kann es bei der Grundsteuer auch Ermäßigungen geben, etwa für denkmalgeschützte Gebäude oder Sozialen Wohnungsbau. Dies kann jedoch nur individuell bewertet werden – Betroffene sollten sich deshalb in so einem Fall von einem Experten beraten lassen. (lma/dpa)

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