+
Messen darf jeder selbst. Vermessung ist allerdings eine hoheitliche Aufgabe.

Wie Grundstücke geteilt werden

München - Das geerbte Grundstück ist viel zu groß. Ob man es bebauen oder verkaufen will - am Anfang steht meist die Teilung. Doch der Weg dorthin ist ein mühsamer durch den Behördendschungel.

Eine Grundstücksteilung ist oft ein Thema, wenn zum Beispiel Eltern den Kindern auf ihrem Grund Platz für ein Eigenheim einräumen. Auch wenn Erbengemeinschaften ihren Boden zu Geld machen wollen, müssen Grundstücke oft geteilt werden. Vor allem wenn beispielsweise ererbte Grundstücke in anderen Bundesländern liegen, kann es kompliziert werden. Das Baugesetzbuch, die Bauordnungen der Bundesländer und kommunale Regelungen grenzen dabei den Rahmen des Möglichen ab.

Zuerst zum Bauamt

Um Klarheit zu bekommen, wer was regelt, empfiehlt es sich, zuerst das örtliche Bauamt aufzusuchen. Dazu rät der Verband Privater Bauherren (VPB). Der Bebauungsplan verrät, was auf dem bestimmten Gebiet gemacht werden darf, sagt Verbandssprecherin Eva Reinhold-Postina. Sieht die sogenannte Bauleitplanung zum Beispiel eine Doppelhaushälfte vor, ist das Gelände im Prinzip nur durch zwei teilbar. Im ungünstigsten Fall darf das Grundstück überhaupt nicht parzelliert werden.

In einigen Bundesländern ist das Teilen genehmigungspflichtig. Das gilt in Hessen, Brandenburg, Baden-Württemberg, Thüringen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern für bestimmte Waldflächen - nicht aber in Bayern. In Nordrhein-Westfalen muss für bebaute Grundstücke ein Antrag nach der Landesbauordnung gestellt werden. „Dabei ist egal, ob ein Gartenhäuschen oder eine Trafostation draufsteht", erläutert Friedrich Stöcker von der Stadtverwaltung Wuppertal.

Er empfiehlt Interessenten, sich vorher von einem öffentlich bestellten Vermessungsingenieur (ÖbVi) beraten zu lassen, den es in den meisten Bundesländern - aber nicht in Bayern - gibt. Die Experten beschaffen die vom Amt geforderten Angaben. In der Regel erwarten die Behörden in Ländern mit Genehmigungspflicht folgende Grundstücksdaten: Gemarkung, Flur, Flurstück, Umriss, Belastungen wie Wegerechte, eingetragene Baulasten oder Daten angrenzender Flächen. Die Ämter prüfen dann die Einhaltung des Baurechts. „Zu 80 Prozent bekommen die Bürger einen Zwischenbescheid", sagt Stöcker. Die Genehmigung erfolgt erst, wenn alle Bedingungen erfüllt sind.

Regeln beachten

In den anderen Bundesländern darf zwar ohne amtliche Aufsicht geteilt werden - dabei sind jedoch Landes- und Bundesgesetze oder örtliche Bestimmungen zu berücksichtigen. Etwa, dass die Abstandsflächen den Vorgaben des Bebauungsplans entsprechen.

Eine erste Orientierung zu den Vorschriften bekommen Bürger auch dazu bei den Ämtern oder im Internet. Viele Kommunen haben auch Merkblätter veröffentlicht, die das Teilungsprozedere erläutern. Einiges können Bauherren auch im Kapitel IV des Baugesetzbuches (BauGB) nachlesen. Paragraf 34 greift zum Beispiel, falls ein Bebauungsplan fehlt.

„Der Paragraf besagt, dass man ein geplantes Haus der Nachbarbebauung anpassen muss", erläutert Reinhold-Postina. Das lässt Raum für Interpretationen - nach den Erfahrungen des Verbands ist das ein klassischer Auslöser für Nachbarschaftsstreit. In der Regel dürfte es schwierig sein, in einer Villensiedlung mit riesigen Gärten ein mehrspänniges Reihenhaus genehmigt zu bekommen. So kann eine Teilung die Nutzungsmöglichkeiten sogar beeinträchtigen.

Kein Druckmittel

Wo eine Genehmigung nötig ist, kann grundsätzlich jeder Bürger einen Teilungsantrag stellen. Einzige Voraussetzung - etwa in Nordrhein-Westfalen - ist die Übernahme der Kosten. Das Verfahren kann dort sogar ohne Wissen des Grundstückeigentümers ablaufen. Mit der Genehmigung allein kann allerdings niemand etwas anfangen. Sie taugt also nicht als Druckmittel im Nachbarschafts- oder Familienzwist. Erbengemeinschaften müssten sich im Vorfeld einig sein, welche Teilfläche genau verkauft werden soll, sagt Thomas Diehn von der Bundesnotarkammer in Berlin. Diese werde später in der Verkaufsurkunde festgehalten.

Vermessung

Wirksam wird die Parzellierung mit dem Eintrag im Kataster und im Grundbuch. Vor diesen Schritten steht das Vermessen. Das ist eine hoheitliche Aufgabe, die entweder ÖbVi und Behörden oder - wie in Bayern - ausschließlich Mitarbeiter der Vermessungsämter wahrnehmen. Die Messtrupps kommen auf Antrag des Grundstückseigentümers zum Ortstermin. „Er oder ein Bevollmächtigter müssen dabei sein, sonst vermessen wir nicht", sagt Stefan Scheugenpflug vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation in München. Die Fachleute setzen auch die Grenzsteine oder -punkte. Ein von allen unterschriebenes Abmarkungsprotokoll hält anschließend Datum, Uhrzeit und vorgenommene Veränderungen fest.

Die Teilung kostet

Die geteilten Flurstücke erhalten im Grundbuch jeweils eine Flurstücknummer. Im Fall eines Verkaufs bindet das Papier auch die Rechtsnachfolger des bisherigen Eigentümers. Die sogenannte Grenzfeststellung kostet einige Gebühren: Durch Unterschrift im Vermessungsantrag ist klar geregelt, wer zahlt. In der Regel ist das der Antragsteller. Die Rechnung kann aber auch geteilt werden. Die Höhe der Gebühren ist Ländersache. Üblich ist eine Berechnung nach der Zahl der gesetzten Grenzsteine. Auch der Bodenwert des vermessenen Stücks wird mit herangezogen.

Monika Hillemacher

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Primark expandiert in weitere deutsche Städte
Münster (dpa) - Der wegen seiner Kampfpreise in Deutschland gefürchtete Textildiscounter Primark will in weiteren Städten Fuß fassen.
Primark expandiert in weitere deutsche Städte
Dax pendelt um 13 000 Punkte
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat weiter mit der viel beachteten Marke von 13 000 Punkten gerungen. Zuletzt stand der Leitindex gegen Mittag 0,04 Prozent höher bei 13 …
Dax pendelt um 13 000 Punkte
ZEW-Konjunkturerwartungen steigen weiter
Mannheim (dpa) - Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten für das kommende halbe Jahr haben sich im Oktober weiter verbessert.
ZEW-Konjunkturerwartungen steigen weiter
Staat verdient mehr an Rauchern
Wiesbaden (dpa) - Der deutsche Fiskus hat mehr an Rauchern verdient. Im dritten Quartal wurden 7,2 Prozent mehr versteuerte Zigaretten produziert als im …
Staat verdient mehr an Rauchern

Kommentare