Die günstige "Miete fürs Geld"

- Die "Miete fürs Geld" wird immer preiswerter. In der abgelaufenen Woche sanken die Zinsen unter ihr Rekord-Tief aus dem März dieses Jahres. Der Markt reagiert damit auf seine Weise auf das Gerede von Deflation. Er nimmt eine Leitzins-Senkung schon vorweg. Für die Börse bedeutet das zweierlei.

<P>Erstens heißt es, dass Kredite günstig bleiben und damit genügend Schmierstoff für die Wirtschaft bereitsteht. Das könnte die Kurse beleben. Zweitens deuten aber die Umstände dieser Zinsspekulation auf uralte Ängste, die seit 1929 in der Mottenkiste der Wirtschaftsgeschichte schlummern. Man fürchtet, dass eine Spirale aus aggressiver Preispolitik der Hersteller und gleichzeitiger Konsum-Zurückhaltung einen sich selbst verstärkenden Abwärts-Effekt hervorrufen kann. Nicht umsonst hat der Internationale Währungsfonds Deutschland gewarnt, vor einer solchen Entwicklung zu stehen.<BR><BR>Der Dax reagierte auf die neue Unsicherheit mit einem sechsprozentigen Abschlag. Wir haben nun 2820 Zähler auf dem Konto. Damit wurde nicht nur der Angriff auf die 3000er-Marke verschoben, sondern die Gretchenfrage gestellt, ob es im gleichen Tempo wie seit Mitte März weitergehen kann. In der Spitze schaffte der Dax seitdem immerhin fast 40 Prozent. Nun scheint zumindest die Schlagzahl verringert zu werden. Man wird wieder bescheidener.<BR><BR>Abschläge gab es vor allem für die Autowerte und die Finanztitel. Bei Siemens drückte eine Wandelanleihe auf den Kurs, die möglicherweise die Zahl der umlaufenden Aktien erhöht und damit den Wert der schon existierenden Anteilsscheine verwässert. Einige Titel legten auch zu, so etwa Altana, als gute Forschungsergebnisse eines neuen Bronchial-Medikaments bekannt wurden. Insgesamt aber hatten wir in der letzten Woche eine Art Auszeit. Für diejenigen, die den ersten Aufschwung verpasst haben, mag das eine Chance sein, sich ebenfalls zu orientieren. </P><P>Dabei richtet sich der Blick nach wie vor auf das Jahr 2004 mit der Unterstellung, dass dann Struktur-Reformen bereits wirken und der inzwischen aufgestaute Konsum-Druck frei wird. Natürlich wird kaum jemand aus nationaler Verantwortung heraus seine Reserven plündern. Aber irgendwann muss eben der klappernde Kühlschrank ersetzt werden, den man in der Eichhörnchen-Spar-Phase vor sich hinrosten ließ. Wer allerdings glaubt, dass die ökonomische Lähmung noch sehr lange dauern wird, dürfte weiter an der Seitenlinie bleiben.<BR><BR>Wichtig sind ferner die markttechnischen Unterstützungszonen. Tiefer als 2700 Punkte sollte der Dax nicht konsolidieren. Ansonsten haben die Pessimisten wieder Oberwasser. Der steigende Euro wird inzwischen gelassener gesehen, weil dadurch die Importe günstiger werden und außerdem mit 1,18 Dollar ein vorläufiger Hochpunkt erreicht wurde, der mittelfristig erst einmal verteidigt werden muss.</P><P> </P><P> </P>

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