Gummibärchen-Ski und ein Schuh, der mitdenkt: Neues von der Ispo

- München - Am Anfang stand ein Zusammenbruch: Während eines Radrennens in der tunesischen Wüste erlitt Michael Schüßler, Jungunternehmer und ehemaliger Radprofi, einen Schwächeanfall. Die Ursache: Austrocknung, zu wenig Wasser. Warum es so weit gekommen war? - "Ganz klar, mir fehlte eine Tasche, in der ich meine Wasserflasche hätte verstauen können", sagt der junge Mann aus der bayerischen Kleinstadt Leidersbach.

Heute ist Schüßler Herr über ein ganzes Imperium von sportlichen Freizeittaschen. Egal ob Handtaschen, Umhängetaschen, Portemonnaies oder Laptop-Taschen - die Produkte des Accessoire-Labels "Tubeline" sind kleine Design-Kunstwerke aus Fahrradschläuchen, Fahrradreifen und Lastwagenplanen. Auf Wunsch bekommen die Kunden sogar eine Extra-Portion Glamour zum Tragen: Taschen aus den Fahrradreifen von Erik Zabel, Jan Ulrich und anderen Radsportprofis. "Ich habe halt Kontakte", erklärt Schüßler bescheiden. Auf der diesjährigen Wintersportartikelmesse Ispo wurde der Jungunternehmer mit dem Nachwuchspreis "Brand New" ausgezeichnet und darf seine Produkte in unmittelbarer Nachbarschaft zu den ganz großen Sportartikelherstellern - Asics, Nike oder Adidas - präsentieren. Auf 160 000 Quadratmetern in 14 Messehallen zeigen 1806 Aussteller in München ihre Neuheiten.

Vor allem mit individuell gestalteten, funktionalen High-Tech-Produkten will die Branche im kommenden Jahr auf Kundenfang gehen. Eintönig designte Snowboards und Skier sind out: Jetzt kommen Barbie-Boards und Gummibärchen-Skier für den Kufen-Nachwuchs, große Jungs greifen zum Board mit Punkrockoptik oder Comic-Design, Puristen wählen die schlichte Holzfaser-Optik.

Ein wahres Chamäleon unter den Sportgeräten ist das so genannte Bikeboard: Kommt es im Winter als lenkbares Snowboard auf der Piste zum Einsatz, wird es im Sommer zum dreirädrigen Skateboard oder wassertauglichen Wakeboard umgebaut. Motto: Nimm drei.

Ein Laufschuh, der mitdenkt, kommt im September auf den deutschen Markt: Zusammen mit dem Sportuhrenhersteller Polar hat Adidas einen so genannten Laufcomputer entwickelt: Ein am Sport-BH oder Unterhemd anknöpfbarer Mini-Sender überprüft Herzfrequenz, Fettverbrennung und Puls des Läufers. Ein Sensor in der Sohle des Laufschuhs dokumentiert Geschwindigkeit, Schrittlänge und Entfernung. Um seine Laufleistung zu kontrollieren, reicht dem Athlet künftig ein Blick auf die Armbanduhr.

Allerdings: Der Fortschritt hat seinen Preis. Über 600 Euro muss der Sportler für seinen persönlichen Laufcomputer hinblättern.

Auch Sicherheit ist ein großes Thema in der Branche. Die sportlichen Outdoor-Jacken der Firma Stride-Lite strahlen in allen Neon-Farben. Aber erst durch ihre batteriebetriebenen, blinkenden Leuchtstreifen werden sie zum wahren Hingucker. "Sicherheitsprodukte müssen nicht hässlich sein", freut sich Firmeninhaber Ian Bouchard und verspricht: "Die Leuchtstreifen halten bis zu 20 000 Stunden." Mit Jacken zu Preisen zwischen 160 und 180 Euro will der gebürtige Kanadier jetzt auch den europäischen Markt erobern.

Und damit der Spaß am Sport auch dann nicht zu kurz kommt, wenn's mal ruhiger zugeht auf Piste oder Laufstrecke, hat Oakley eine Sonnenbrille mit eingebauten MP3-Spieler auf den Markt gebracht. Motto: Schöner sehen, besser hören. Bleibt nur zu hoffen, dass der Käufer bei so viel mehr Mehrnutzen auch wirklich den Durchblick behält.

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