Gutachter: BayernLB hätte HGAA nie kaufen dürfen

München - Bei der Aufarbeitung des BayernLB-Debakels mit der maroden Hypo Group Alpe Adria hat ein Sachverständiger den früheren Vorständen und Verwaltungsräten der Bank miserable Zeugnisse ausgestellt.

Zum einen kommt der Bonner Wirtschaftsrechts-Professor Marcus Lutter zu dem Schluss, dass die BayernLB die HGAA nie hätte kaufen dürfen, weil dies dem öffentlichen Auftrag der Bank zuwider gelaufen sei. Zum anderen machte Lutter am Dienstag vor dem BayernLB-Untersuchungsausschuss des Landtags deutlich, dass der Kauf seiner Einschätzung nach übereilt und entgegen üblichen Vorgehensweisen erfolgte. Die HGAA sei als “Katze im Sack“ gekauft worden - ohne abgeschlossene Risikoprüfung oder ausreichend Garantien, also mit einem “ungewöhnlich hohen Risiko“. Er habe so etwas noch nie erlebt.

Wirtschaftskrise: Diese Banken hat es am meisten getroffen

Wirtschaftskrise: Diese Banken hat es am meisten getroffen

Lutter nahm in der Ausschusssitzung aber nicht Stellung, ob die Verwaltungsräte, darunter prominente CSU-Politiker, im Jahr 2007 grob fahrlässig handelten, indem sie dem HGAA-Kauf zustimmten - grobe Fahrlässigkeit würde Schadenersatzansprüche begründen. Sein Auftrag war nur, die Rechtslage abstrakt zu schildern. Am Rande der Sitzung schloss Lutter grobe Fahrlässigkeit aber auch nicht aus - weil der Verwaltungsrat dem Kauf damals im Umlaufverfahren zustimmte, weil er nicht alle nötigen Informationen hatte und weil die BayernLB trotz nicht abgeschlossener Risikoprüfung auf Garantien verzichtete. Dies wäre allenfalls mit hohem Zeitdruck zu rechtfertigen. Bisher aber sei nicht klar, ob es einen solchen Zeitdruck tatsächlich gegeben habe.

Der Untersuchungsausschuss soll klären, warum die BayernLB 2007 die marode österreichische Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) kaufte - und ob der Kauf damals von den Verantwortlichen ausreichend geprüft wurde. Die Landesbank verlor dabei mehr als 3,7 Milliarden Euro.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trend zur Shitstorm-Versicherung - Firmen fürchten um guten Ruf
Ein Skandal kann den Ruf eines Unternehmens ruinieren - und im Extremfall die Existenz kosten. Die Angst vor dem Shitstorm steigt in den Chefetagen weltweit. Doch wo ein …
Trend zur Shitstorm-Versicherung - Firmen fürchten um guten Ruf
Rückruf mehrerer Produkte: Nach Verzehr drohen Gesundheitsgefahren
Wegen möglicher Gesundheitsrisiken hat ein Lebensmittelhersteller mehrere seiner Produkte zurückgerufen. Wegen überschrittener Grenzwerte können sie Sehstörungen …
Rückruf mehrerer Produkte: Nach Verzehr drohen Gesundheitsgefahren
Airbus droht bei Brexit ohne Abkommen mit Teil-Rückzug
Die Brexit-Verhandlungen verlaufen schleppend, die Unternehmen werden zunehmend nervös. Airbus erhöht nun den Druck auf die britische Regierung.
Airbus droht bei Brexit ohne Abkommen mit Teil-Rückzug
EU-Vergeltungszölle auf US-Produkte in Kraft
Donald Trump ließ sich durch alle diplomatischen Bemühungen der EU nicht beirren. Jetzt kommt im Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten der europäische Gegenschlag. …
EU-Vergeltungszölle auf US-Produkte in Kraft

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.