"Gute Konjunktur schafft neue Stellen"

- Erstmals seit 2002 ist die Zahl der Arbeitslosen unter vier Millionen gefallen. Wir sprachen mit Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), über die Gründe für den Aufschwung am Arbeitsmarkt.

Die Große Koalition feiert die positiven Zahlen als ihren Erfolg. Beginnen die Arbeitsmarktreformen zu wirken?

Karl Brenke: Die gute Konjunktur schafft neue Arbeitsplätze. Sie ist verantwortlich für die Belebung. Erst sind die Exporte gestiegen, dann haben die Unternehmen ihre Investitionen ausgeweitet. Durch die zusätzliche Beschäftigung ist auch der private Konsum gestiegen. Schwarz-Rot hat dazu jedoch wenig beigetragen.

Und Hartz IV ...

Brenke: ... hat eine gewisse Wirkung. So hat sich die Vermittlung verbessert. Außerdem konnten viele ,Kartei-Leichen’ ­ also Arbeitslose, die nicht ernsthaft einen Job suchen ­ aus der Statistik gestrichen werden.

Die Anhebung der Mehrwertsteuer Anfang 2007 wird die Konjunktur abbremsen. Steigt damit auch wieder die Arbeitslosigkeit?

Brenke: Der Aufschwung wird sich fortsetzen, aber sicher an Geschwindigkeit abnehmen. Es mehren sich allerdings die Anzeichen, dass die Belebung dauerhaft ist.

Also Mitte 2007 nur noch 3,5 Millionen Arbeitslose?

Brenke: Konkrete Prognosen möchte ich nicht wagen. Überhaupt ist die Arbeitslosenstatistik mit Vorsicht zu genießen. Viel aussagekräftiger ist die Zahl der Beschäftigten. Und die dürfte weiter steigen.

Für ältere Arbeitslose bleibt es dennoch schwierig, einen Job zu finden. Franz Müntefering will mit der Initiative 50plus bis zu 100 000 Arbeitslose vermitteln. Realistisch?

Brenke: Kern der Initiative ist ein neues Kombilohn-Modell. Ähnliche Förderungen gab es bereits und die Erfolge waren nicht berauschend. Daher wäre ich sehr vorsichtig.

Das Gespräch führte Steffen Habit.

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