Gute Konjunkturaussichten, schlechte Stimmung im Osten

- Frankfurt - Trotz der relativ guten Konjunkturaussichten für Ostdeutschland ist die Stimmung der Verbraucher in den östlichen Bundesländern mau. Zwar berichten Wirtschaftsforscher, die Lage im Osten sei gar nicht so schlecht, wie sie derzeit dargestellt werde. Doch laut Allensbach-Umfrage sehen die Menschen im Osten wenig Perspektiven. Und nach Einschätzung des Handels ist die Stimmung in Ostdeutschland geradezu "vergiftet".

<P>Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise sagte dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag": "Die Industrie läuft seit geraumer Zeit besser als im Westen, das Wachstum ist stärker. Jetzt entsteht eine gute Basis für die Zukunft, die viele Zulieferer und Dienstleister anzieht und die Region wettbewerbsfähiger macht." In den kommenden Jahren werde sich die Kluft zwischen Ost und West schließen. Die Lohnkosten seien günstig, die Immobilien billig, die Lebenshaltungskosten mäßig. "Deshalb wird es hier in den kommenden Jahren deutlich mehr Investitionen geben."</P><P>Joachim Ragnitz vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle meinte, vor allem Städte wie Leipzig, Dresden oder Chemnitz hätten großes Wachstumspotenzial im Tourismus und in der Chip-, Automobil- und Maschinenbauindustrie. Marcel Thom vom Ifo-Institut Dresden betonte, die Hartz-Reformen würden nicht nur Belastungen bringen. "Es wird auch Gewinner geben, denn die Leute kommen demnächst schneller wieder in Arbeit."</P><P>Der "Spiegel" berichtete unter Berufung auf die Kreditanstalt für Wiederaufbau, in den neuen Ländern entwickle sich die Wirtschaft viel erfolgreicher, als es den Anschein habe. Von 1992 bis 2003 sei die Wirtschaft im Osten jährlich im Schnitt um 3,7 Prozent gewachsen, die im Westen dagegen nur um 1,2 Prozent. Zwar habe die hartnäckige Baukrise besonders im Osten dämpfend gewirkt. Aber die Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes sei "die Erfolgsgeschichte der neuen Länder". Die Auslandsumsätze wüchsen dynamischer als die Inlandsumsätze, schrieb das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf eine noch unveröffentlichte Studie der Bank.</P><P>Es fehlt an Arbeit und Aufträgen</P><P>Die Stimmung der Verbraucher passt indes nicht zu diesen Erkenntnissen, wie etwa der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) feststellte. So sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr dem Kölner "Express" (Montagausgabe), vor allem die Diskussion um Hartz IV habe die Stimmung der Konsumenten _ insbesondere in den neuen Bundesländern - "nachhaltig vergiftet". Laut Pellengahr machen sich viel mehr Menschen Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft wegen Hartz IV, "als eigentlich angezeigt wäre".</P><P>Unterdessen ergab eine Umfrage des Allensbacher Institutes für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", dass 42 Prozent der Ostdeutschen über 16 Jahren glauben, sie hätten im Westen mehr Chancen als in ihrer Heimat. 23 Prozent seien der Ansicht, die Chancen seien gleich gut _ egal wo. Neun Prozent gingen davon aus, in den westdeutschen Bundesländern weniger Möglichkeiten zu haben.</P><P>Wenig Chancen für Arbeitnehmer sehen auch sächsische Wirtschaftskammern. Selbst mehr Existenzgründungen könnten zurzeit kaum zur Entlastung des Arbeitsmarktes beitragen, sagte der Präsident der Handwerkskammer Chemnitz, Wolfgang Rühler, der "Sächsischen Zeitung am Sonntag": "Es fehlt nicht an Firmen, sondern an Arbeit und Aufträgen für sie."</P>

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