Gute Noten für ältere Mitarbeiter

- München - Bayerns Mittelständler sind älteren Mitarbeitern überwiegend wohlgesonnen. 34 Prozent der vom Bund der Selbständigen in Bayern (BDS) befragten Unternehmer sehen in Mitarbeitern ab 55 Jahre aufwärts eine Chance, nur 14 Prozent ein Problem. Für die Mehrheit der Befragten ist das Alter unbedeutend. Auch verneinte die überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmer, dass das Alter ein Einstellungshindernis (67 %) oder ein Kündigungskriterium (81 %) sei.

Tatsächlich beschäftigen nur 46 Prozent aller Unternehmen des Verbandes Mitarbeiter über 55 Jahren. In Deutschland arbeiten laut dem BDS nur noch 37 Prozent der 55- bis 65-Jährigen. Im Vergleich dazu sind es in Europa 41 Prozent, in den USA 59 Prozent und in Japan 66 Prozent.

"Der Mittelstand hat den demographischen Wandel oftmals noch nicht als Herausforderung erkannt", sagte Thomas Schörg, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundes der Selbständigen.

Dabei symbolisierten die Älteren die Stärken des Wirtschaftsstandortes: Bei den Fragen nach Zuverlässigkeit, Arbeitsmoral, Wissen und Qualitätsanspruch erhielten sie gute Noten. Mit Ausnahme des Kriteriums "Kosten" erfüllten die älteren Mitarbeiter sämtliche Anforderungen zur Besetzung offener Stellen. 83 Prozent der Unternehmen lehnten dennoch Gehaltseinbußen für Ältere ab. Noch mehr (85 %) halten den Vorruhestand für schlecht. Der Verband empfiehlt, die Vergütung nach Dienstalter abzuschaffen.

Als Schwächen wurden unter anderen ein Nachlassen von Erfindergeist und Kreativität genannt. Dies seien aber oft pauschale Urteile. "Es gibt sowohl alte Junge als auch junge Alte", betonte Fritz Wickenhäuser, Präsident des BDS. Alt sei der, der keine Neugier und keine Freude an Innovationen mehr habe. Deshalb müssten die Ausbildung junger Menschen sowie lebenslanges Lernen hohe Priorität haben. Man brauche Jung und Alt. Da 10 Prozent der Firmen im BDS älter als 100 Jahre sind, werden sie oft in dritter und vierter Generation geführt. Das Alter der befragten Selbstständigen reichte von 23 bis 77 Jahren, im Durchschnitt sind sie 49 Jahre alt.

Es stimme nicht, dass ältere Mitarbeiter häufiger krank seien als jüngere, sondern wenn, dass sie dann länger krank seien. Aber auch dies hänge ganz entscheidend vom persönlichen Umgang mit der eigenen Gesundheit ab. Ebenso stehe es mit der Lernfähigkeit, die als eine weitere Schwäche Älterer genannt wurde: Auch sie werde durch die jeweilige Einstellung des Individuums bedingt.

Durch den demographischen Wandel würden die Unternehmer so oder so gezwungen, ihre Einstellung Älteren gegenüber zu überdenken. "Wir plädieren dafür, eine Einstellung unabhängig vom Alter zu machen", sagte Wickenhäuser.

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