Gute Stimmung an der Börse: Die zweite Reihe trumpft auf

- München -­ An der Börse wird prächtig Geld verdient. Die wichtigsten deutschen Indizes klettern seit Jahren rasant aufwärts. Der Dax steht knapp vor der Marke von 7000 Punkten. Das Segment der mittelgroßen Werte, M-Dax, hat gestern erstmals über 10 000 Zählern notiert und erreichte so zeitweise einen Höchststand. Experten glauben, dass es zumindest noch ein bisschen weiter aufwärtsgehen kann.

Allein seit Beginn des vergangenen Jahres hat der Dax, der die Entwicklung der wichtigsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands aufzeigt, um fast 30 Prozent zugelegt. In der zweiten Börsenreihe war der Kurszuwachs noch stärker. Der M-Dax schaffte seither ein Plus von 37 Prozent. Seit ihren Tiefstständen vor vier Jahren haben die Börsengradmesser ihren Punktwert mehr als verdreifacht.

"Sowohl der Dax als auch der M-Dax profitieren davon, dass die Konjunkturaussichten weltweit sehr gut sind", erklärt Gerhard Schwarz, Leiter Anlagestrategie bei der HypoVereinsbank. Das gelte insbesondere für zyklische Werte -­ also solche, die von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängig sind. Dazu käme eine rege Übernahmetätigkeit, die ebenfalls für Antrieb bei den Kursen sorgt. So zählen etwa Siemens, MAN, Eon, Lufthansa und Thyssen-Krupp zu den großen Gewinnern im Dax.

Dass sich der M-Dax noch besser entwickelt hat als der Dax, führt Schwarz auf das stärkere Gewinnwachstum bei den mittelgroßen Unternehmen zurück. Das dürfte seiner Einschätzung nach auch weiterhin überdurchschnittlich ausfallen -­ unter anderem begünstigt durch die Unternehmenssteuerreform. Denn je stärker Betriebe im Inland verankert sind, desto eher spüren sie die Entlastung bei den Abgaben. Bei internationalen Konzernen macht sich das weniger bemerkbar.

Der Gewinnvorsprung der mittelgroßen Unternehmen zeigt sich auch an der Börse. Während die Dax-Konzerne derzeit im Durchschnitt mit dem 13,3-fachen ihres für heuer erwarteten Gewinns bewertet werden, liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis im M-Dax bei 16,6. Allerdings wird der Druck, mit dem die Gewinne sprudeln, nach Expertenmeinung nachlassen.

"Das Gewinnwachstum verlangsamt sich", erwartet Schwarz. Zudem könnten ein höherer Ölpreis oder deutlich steigende Zinsen einen Dämpfer auslösen. Dann sei ein Abrutschen der Kurse um zehn Prozent denkbar. "Aber damit rechne ich eher erst für das dritte Quartal", sagt der HVB-Experte.

Ralf Zimmermann vom Bankhaus Sal. Oppenheim spricht von einer "relativ reifen Phase der Entwicklung" am deutschen Aktienmarkt. Derzeit sehe es aber noch nicht nach einer Kurs-Korrektur aus. Allerdings warnt er davor, das im historischen Vergleich bescheidene Kurs-Gewinn-Verhältnis im Dax zu unterschätzen. Aufgrund geänderter Rechnungslegungsvorschriften für die Unternehmen sähen die Gewinne größer aus, als sie sind. Nach alten Regeln läge das KGV etwa bei 15. "Der Markt ist nicht so billig, wie er scheint", erklärt Zimmermann.

Gestern gaben Dax und M-Dax im Tagesverlauf wieder etwas nach. Doch die 7000 Punkte für Deutschlands wichtigsten Aktienindex dürften wohl bald erreicht werden ­ und noch mehr. "Eine solche Tausender-Marke muss nicht das Ende der Fahnenstange sein", erklärt Schwarz.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax schließt unter 13 000 Punkten
Frankfurt/Main (dpa) - Die Rekordfahrt am deutschen Aktienmarkt ist am Donnerstag ausgebremst worden. Händler nannten als Grund vor allem Gewinnmitnahmen, nachdem die …
Dax schließt unter 13 000 Punkten
Preise für Nordsee-Krabben fallen
Ein Krabbenbrötchen für zehn Euro? Die Zeiten sollten erst einmal vorbei sein. Seit dem Herbsttief "Sebastian" Mitte September sind die Nordsee-Krabben wieder da. Und …
Preise für Nordsee-Krabben fallen
Air Berlin: Bund will mehr soziales Engagement der Lufthansa sehen
Lufthansa hat sich begehrte Teile des insolventen Konkurrenten gesichert - mit Rückenwind vom Bund. Doch nun gibt es in der Regierung auch Erwartungen.
Air Berlin: Bund will mehr soziales Engagement der Lufthansa sehen
Wenn Tante Emma fehlt: Ladenmangel auch in Bayerns Innenstädten
Auch in Bayerns Städten fehlt immer häufiger der Laden um die Ecke, um sich schnell Butter oder Milch zu kaufen. Doch es könnte ein neues Geschäftsmodell geben.
Wenn Tante Emma fehlt: Ladenmangel auch in Bayerns Innenstädten

Kommentare