Gute Stimmung, schlechte Zahlen

- München - Deutschlands Wirtschaft schwelgt im Stimmungshoch. Die Verbraucher sind zuversichtlich wie seit fünf Jahren nicht mehr und die Unternehmen haben so große Erwartungen für ihre Geschäfte wie zuletzt vor fast 15 Jahren. Doch die Bayerische Landesbank warnt: Die harten Daten rechtfertigen die große Euphorie nicht. Ein echter Aufschwung bleibt in Deutschland aus.

Die Umfragen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und des Münchner Ifo-Instituts machen Freude. Anders als erwartet kletterte der Ifo-Geschäftsklimaindex im März von 103,4 auf 105,4 Punkte. Das war der vierte Anstieg in Folge - ein klarer Aufwärtstrend. Auch die Verbraucher, die sich seit Jahren mit Ausgaben zurückhalten, haben gute Stimmung.

Der Konsumklima-Index steigt für April von 5,0 auf 5,1 Punkte. Zwar beurteilten die Bundesbürger die konjunkturelle Lage und ihre finanzielle Situation etwas weniger optimistisch als in den Vormonaten. Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen sei aber weiter groß. "Zuletzt war die Stimmung der Verbraucher im Dezember 2001 so gut", teilte die GfK mit.

Doch nicht alle Experten wollen in das Loblied auf die Konjunktur einstimmen. Die BayernLB geht davon aus, dass "die deutlich verbesserte Stimmung wohl nicht durch harte Daten voll bestätigt werden wird", wie Chefvolkswirt Jürgen Pfister erklärt. Er sieht eine leichte konjunkturelle Erholung, aber noch lange keinen Aufschwung in Deutschland. Zwar habe die Industrieproduktion im vergangenen Jahr zugenommen, aber nur minimal. "Das Ausland hilft mehr mit als je zuvor", sagte Pfister mit Blick auf die deutschen Export-Erfolge.

Doch insgesamt bleibt die Erholung mäßig. Denn im Inland rührt sich trotz angeblich guter Stimmung wenig. Während die Haushalte in früheren Aufschwung-Phasen mehr Geld ausgaben, ist diesmal die Sparquote deutlich gestiegen. "Die Bundesregierung hat es bislang nicht vermocht, das Vertrauen der Leute so zu stärken, dass sie bereit sind, mehr auszugeben", urteilt Pfister.

Auch auf einen Stimmungs-Effekt durch die Fußball-Weltmeisterschaft könne man nicht hoffen. Die WM sei kaum konjunkturrelevant. Und bei der Mehrwertsteuer gilt: "Im ersten Quartal 2007 müssen wir zurückgeben, was wir an Vorzieh-Käufen heuer gewinnen." Immerhin erwarten die BayernLB-Experten keine großen neuen Belastungen durch den Ölpreis. Daher werde die Inflation moderat bleiben und die Europäische Zentralbank nicht gezwungen sein, die Leitzinsen deutlich über 3,0 Prozent zu heben.

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