Mit gutem Gewissen Rendite kassieren

Nachhaltige Geldanlagen: - Alle diskutieren über den Klimawandel, die Kampagnen zur Rettung unserer Erde überschlagen sich fast - und auch auf dem Kapitalmarkt ist Umweltbewusstsein gefragt. Doch nicht alle nachhaltigen Geldanlagen sind so "sauber", wie sie scheinen.

Immer mehr Fonds und Zertifikate tragen Begriffe wie "nachhaltig", "öko" oder "Klima" im Etikett -die Investmentbranche hat den Klimawandel entdeckt. Sein Geld vermehren und dabei Gutes tun, lauten die verlockenden Werbebotschaften. Doch Anleger sollten bei den "grünen" Anlageprodukten wählerisch sein, gesunde Skepsis bewahren und die Grundregeln der Vermögensanlage nicht außer Acht lassen, raten Experten.

Umwelteuphorie: ein schlechter Ratgeber

"Anleger müssen sich über ihre eigene Risikobereitschaft im Klaren sein -auch bei nachhaltigen Investments", sagt Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Damit sind Geldanlagen gemeint, die sich an ökologischen, ethischen oder sozialen Kriterien orientieren (siehe Infokasten unten). Die allgemeine Umwelt-Euphorie sei ein schlechter Ratgeber und sollte zu nichts verleiten, was nicht dem eigenen Anlageprofil entspricht. So seien für risikoscheue Zeitgenossen eng geschnittene Themenfonds und -zertifikate tabu, denn deren Kurse schwanken stark, sagt Bieler.

Das betrifft derzeit angesagte Wertpapiere, die sich stark auf börsennotierte Unternehmen der Boombranchen Neue Energien, Umwelttechnik sowie Wasserversorgung und -aufbereitung konzentrieren. "Solche Papiere sollten nur eine Beimischung im Depot darstellen und nicht mehr als zehn Prozent ausmachen", empfiehlt Karin Baur, Geldexpertin der Stiftung Warentest in Berlin. Für vorsichtigere Anleger, die in "grüne" Produkte investieren wollen, gilt: Die Mischung macht’s. Breit aufgestellte Aktien-, Renten- oder Mischfonds seien für sie die bessere Wahl, rät Baur. Die "innere Befriedigung" nennt das Forum Nachhaltige Geldanlage als Vorteil von nachhaltigen Geldanlagen gegenüber konventionellen Investments.

Der Anleger muss selbst entscheiden

Doch nicht jedes Produkt ist so sauber und nachhaltig, wie es sich mancher Anleger wünschen mag. "Wenn in Produktbeschreibungen Begriffe wie ,Klimawandel‘ fallen, heißt dies zunächst, dass man in Aktien investiert, die vom Klimawandel profitieren. Das kann aber auch ein Atomstromanbieter sein", erklärt Karin Baur.

Häufig liegt der Best-in-Class-Ansatz zu Grunde, bei dem die jeweils Branchenbesten herausgepickt werden. "Jedes Fondsmanagement variiert ihn ein wenig. Eine einheitliche Definition von nachhaltigen Investments gibt es zu Recht nicht. Der Anleger muss selbst entscheiden, inwiefern das Produkt seinen Prinzipien entspricht", erläutert Paschen von Flotow, Leiter des Sustainable Business Institut (SBI) an der European Business School in Oestrich-Winkel.

Bei diesem grundsätzlich nicht sehr strengen Ansatz fällt die Wahl häufig auf Aktien, die auch in herkömmlichen Fonds stecken. Bei nachhaltigen Produkten lasse sich allerdings mehr Einfluss auf Unternehmen ausüben, sich ökologisch, ethisch und sozial korrekt zu verhalten. "Denn die wollen in der Regel in einem Fonds bleiben", so Paschen von Flotow. Nicht zu vernachlässigen sei daher, wie transparent ein Fondsmanager seine Investmentkriterien offenlegt. Rund 140 sind im deutschsprachigen Raum zugelassen.

Der Klimawandel verkauft sich gut

Geld verdienen und die Umwelt schützen, suggeriert manches aktuelle Finanzkonzept. Diesen Aspekt sollten Anleger aber nicht überbewerten. "In der Investmentbranche gehört Klappern zum Handwerk. Trendthemen vermarkten sich leichter, zurzeit ist eben der Klimawandel dran", sagt Verbraucherschützer Bieler. "Zunächeinmal gibt man das Geld dem vorherigen Besitzer des Wertpapieres. Das gilt besonders beim Kauf von Einzelaktien und Zertifikaten, aber auch bei Fonds", gibt Jörg Weber vom Branchendienst "ECOreporter.de" zu bedenken.

Bei der Anlageentscheidung sollten generell nicht nur ideelle Überlegungen eine Rolle spielen: "Ein gutes Gewissen ist ein schwacher Trost, wenn man Geld verliert", sagt Jörg Weber. Seiner Erfahrung nach trübt der Gedanke, Gutes zu tun, häufig den skeptischen Blick für harte Fakten. Das gelte für den Vergleich von Kauf- und Verwaltungsgebühren ebenso wie für die Beurteilung eines Anbieters.

Vorsicht bei ausländischen Aktien

So nutzen manche unseriöse Finanzvertriebe den Idealismus einiger Anleger aus: "Die Vermittlung ausländischer Aktien zu überhöhten Preisen ist eine beliebte Masche", warnt Jörg Weber. Die Kontaktaufnahme erfolgt in der Regel per Telefon. Anleger sollten sich in solchen Fällen vor Finanzgeschäften in Acht nehmen. Auch manche geschlossene Öko-Fonds, die das Geld jahrelang in allzu exotischen Nischen wie der Holzwirtschaft binden, sollten Anleger mit Vorsicht genießen, so Jörg Weber.

Im Fonds-Dauertest der Zeitschrift "Finanztest" haben sich zum Beispiel die nach strengen Maßstäben anlegenden Produkte ÖkoVision und Green Effects NAI-Werte gut behauptet. Der Naturaktienindex (NAI), an dem sich letzterer Fonds orientiert, gilt in der Branche als konsequenteste Umsetzung der Idee, Geld nach ethischökologischen Kriterien anzulegen. Auf Sicht von zehn Jahren schlägt er sogar den Dax um Längen. Auch bei der "grünen" Geldanlage sollten Investoren generell zu Papieren greifen, die ihre Qualität über einen längeren Zeitraum demonstriert haben, also ab drei Jahren.

"Nachhaltigkeit" -ein ungeschützter Begriff

Wird etwa ein Wald nachhaltig bewirtschaftet, weiß jeder, was gemeint ist: Es werden nur so viele Bäume gefällt, wie nachwachsen, damit der Bestand konstant und für die Nachwelt erhalten bleibt. Aber unter nachhaltigem Wirtschaften allgemein versteht jeder etwas anderes, sodass die Kriterien der einzelnen "grünen" Fonds sehr unterschiedlich sind. Bei manchen Fondsgesellschaften genügt sogar schon der Ausschluss von Tabakwerten oder Waffenherstellern, um als nachhaltig zu gelten.

Bei Nachhaltigkeitsthemenfonds existieren beispielsweise keine festen ökologischen und sozialen Vorgaben. Hier zählt vorrangig, dass ein Unternehmen in einem speziellen Umwelt-Sektor (z.B. Wasser, erneuerbare Energien) aktiv ist -auch wenn es den größten Teil seines Umsatzes mit Atomenergie macht.

Bei Ethikfonds spielen ökologische Kriterien eine noch geringere Rolle. Hier zählen in erster Linie soziale Standards. In diese Kategorie fallen viele Angebote von Religionsgemeinschaften.

Ökofonds haben in der Regel die schärfsten Auswahlregeln, die sich vor allem auf Umweltkriterien stützen. Eine gute Referenz haben Firmen aus dem Natur-Aktien-Index (NAI), wo neben Ausschlussauch Positivkriterien zählen. Dazu zählen unter anderem regenerative Energieerzeugung oder eine biologische Landwirtschaft.

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