Die guten alten Röhrengeräte haben die beste Bildqualität

- Die herkömmlichen Röhrenfernseher sind den bei der Internationalen Funkausstellung gefeierten Flachbildschirmen nach Einschätzung der Stiftung Warentest noch immer überlegen. "Die beste Bildqualität haben nach wie vor die Röhrengeräte", sagte Herbert Noll, Redakteur bei der Stiftung Warentest. Lediglich wenn es um digitale Zuspielung gehe, spielten LCD- und Plasma-Geräte ihre Vorteile aus.

Herr Noll, mittlerweile werden mehr LCD- und Plasma-Fernseher als herkömmliche Röhrengeräte verkauft. Sind die Flachbildschirme wirklich besser?

Herbert Noll: Die beste Bildqualität haben nach wie vor die Röhrengeräte. Das gilt insbesondere dann, wenn es um analoge Programme geht und analoge Zuspielung geht. Sprich, wenn sie von einer Set-Top-Box per Scart- Kabel in den Fernseher kommen, oder wenn man sein analoges Kabelfernsehen nutzt. Dann ist der Röhrenfernseher vorn. Wenn es um die digitale Zuspielung geht, sieht es anders aus. Die Flachfernsehgeräte spielen dann ihre Qualität aus, wenn sie das digitale Fernsehsignal direkt verarbeiten können. Wenn man sich DVB-T betrachtet mit einem Fernsehgerät mit einem integrierten DVB-T-Tuner, dann die Bildqualität auch da in Ordnung.

Noch ist aber beinahe alles analog. Ist es nicht so, dass die Bildqualität von Plasmageräten mit den Jahren stark nachlässt?

Noll: Das wird den Plasmageräten nachgesagt. Aber wir konnten noch keinen Langzeittest machen. Allerdings: Man kann schon bald, wenn man immer wieder dasselbe Programm guckt, beim Logo in der Bildecke gewisse Einbrenneffekte sehen.

Wenn man sich nun für einen Flachbildschirm entscheidet, sollte man LCD oder Plasma wählen?

Noll: Das kommt darauf an. Plasma ist größer als LCD. Beim LCD hat man zwar nicht den Einbrenneffekt, auf der anderen Seite kann die Hintergrundbeleuchtung ausfallen. Diese LCD-Hintergrundbeleuchtung wirkt dem möglichen Kontrast dieser Bildschirme entgegen, weil auch die dunklen Pixel von hinten beleuchtet werden. Das mindert den Kontrast. Deswegen dreht man die Helligkeit hoch. Das Bild wirkt zwar kontrastreich, ist es aber nicht.

Wird sich denn das auf der IFA gefeierte hochauflösende Fernsehen HDTV durchsetzen?

Noll: HDTV ist ein technischer Leistungs-Standard. Die HDMI-Schnittstelle verspricht eine gewisse Leistung des Gerätes. Das hat aber nichts mit der Qualität zu tun. Die Bildqualität ist auch wirklich nicht so viel besser als bei PAL. PAL-Fernsehen hat 576 Zeilen gegenüber 720 Zeilen bei HDTV. Das ist kein großer Unterschied. Die paar Zeilen mehr machen den Kohl nicht fett. HDTV ist sicherlich keine Revolution im Fernsehbereich. Wenn man eine kurze Distanz zu einem HDTV-Fernseher hat, hat man tatsächlich einen Kinoeffekt mit einem feiner auflösenden Bild. Aber wenn man den normalen Betrachtungsabstand hat, das heißt achtfache Bilddiagonale, dann kann man HDTV knicken. Da merkt man keinen Unterschied zu PAL.

Die Hersteller schwärmen, HDTV werde sich schneller verbreiten als seinerzeit das Farbfernsehen?

Noll: Man muss erst mal abwarten, ob die Öffentlich-Rechtlichen auf HDTV aufspringen. Die Hersteller wollen das natürlich und bohren das entsprechend an. Wenn man sich aber jetzt das 16:9-Fernsehen anguckt, das künstlich ein schlechteres Bild vermittelt, als PAL überhaupt hat, mit dem einzigen Ziel, HDTV besser zu verkaufen, da fasst man sich an den Kopf.

Hat die Größe der Bildschirmdiagonale Einfluss auf die Bildqualität?

Noll: Das kommt immer auf den Betrachtungsabstand an. Wenn ich eine große Bilddiagonale habe und einen größeren Betrachtungsabstand, habe ich den gleichen Bildeindruck wie bei einer kleinen Bildschirmdiagonale und einem kleineren Betrachtungsabstand.

Die Fragen stellte Holger Mehlig

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