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Lebensmittel gibt es günstiger als noch vor einem Jahr. Um über drei Prozent fielen die Preise unter anderem für Milchprodukte im Oktober 2009 gegenüber Oktober 2008.

Guter Zeitpunkt zum Einkaufen

Im Supermarkt geht es weiterhin recht kundenfreundlich zu. Zumindest was die Preise anbelangt. Verbraucher müssen für ihre Einkäufe durchschnittlich weniger bezahlen als im Vorjahr. Die Lebenshaltungskosten bleiben stabil – noch.

Nicht nur die Milch macht’s. Vor allem wegen sinkender Heizöl- und Benzinpreise bleiben die Lebenshaltungskosten auf stabilem Niveau. Auch im Oktober verzeichnete das Statistische Bundesamt keine Steigerung – und das zum vierten Mal in Folge. Die Teuerungsrate betrug demnach im Jahresvergleich 0,0 Prozent, teilten die Statistiker gestern mit. Im September lag die Rate noch bei minus 0,3 Prozent.

Preisbewusstsein verstärkt sich

„Der private Verbrauch zeigt sich bislang als Stabilisator in der Wirtschaftskrise“, sagt Josef Auer, Einzelhandels-Experte der Deutschen Bank. Es sei durchaus überraschend, dass der befürchtete Einbruch bis dato ausblieb. Im kommenden Jahr könnte das anders aussehen. Wenn die Arbeitslosenzahlen steigen, sinkt die Kauflust. Daher könnte der private Konsum 2010 den konjunkturellen Aufschwung eher bremsen, meint Auer. Er geht davon aus, dass nicht nur die Nachfrage zurückgeht, auch das Preisbewusstsein in der Bevölkerung wird  notgedrungen“ stärker in den Vordergrund rücken.

Angst vor Preisexplosionen müssen Verbraucher aber nicht haben. „Die Preise bleiben überschaubar, auch wenn sie jetzt ihr Tief erreicht haben dürften“, sagt Auer. Der Preisrutsch der vergangenen Monate scheint demnach gestoppt. Mit der einsetzenden wirtschaftlichen Belebung dürften die Preise wieder anziehen. Volkswirte rechnen bereits vom November an mit steigenden Raten. Denn auch im Großhandel, der die Preise über den Einzelhandel an die Verbraucher weitergibt, hat sich der Preisdruck abgeschwächt. Jetzt auf Einkaufstour zu gehen, könnte sich also lohnen. Wer zum Beispiel einen Fernseher braucht, zahlt derzeit knapp ein Viertel weniger als noch vor einem Jahr. Computer und Laptops verbilligten sich um etwa 15 Prozent.

Auch für Lebensmittel mussten Verbraucher im Oktober weniger ausgeben. Die Preise sanken im Schnitt um 3,4 Prozent gegenüber dem Oktober 2008. Vor allem Gemüse, Milch, Quark und Butter wurden billiger, während sich Fisch und Fischstäbchen verteuerten.

Enorm entlastete vor allem günstiges Heizöl und billiges Benzin die Haushaltskasse der Verbraucher. So waren Energieprodukte sieben Prozent günstiger als vor einem Jahr. Leichtes Heizöl wurde um ein Viertel billiger, Diesel um 13 Prozent, Benzin um 3,7 Prozent. Auch die Preise für Gas und die Zentralheizung sanken, dagegen verteuerte sich Strom um knapp sechs Prozent. Ohne Berücksichtigung von Energie hätte die Inflationsrate nach Berechnungen der Statistiker bei plus 0,9 Prozent gelegen.

Die aktuelle Inflationsrate liegt aber auch ohne Energie weit unter der Ziel-Marke der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp unter zwei Prozent. Diese Rate soll Preisstabilität garantieren, aber keinen Anreiz zum Horten von Bargeld geben. Die EZB rechnet in den kommenden Monaten wieder mit steigenden Jahresraten.

Bereits gestiegen ist der Preis für Markenzigaretten. Um 20 Cent verteuerte sich eine Schachtel. Nach Angaben von Reemtsma, dem zweitgrößten inländischen Tabakkonzern, habe diese Verteuerung die Verbraucher aber nicht vom Rauchen abgehalten. Auch die Rauchverbote hätten höchstens zu einem oder zwei Prozent weniger Absatz geführt. Dem Konzern zufolge blieb der Gesamtabsatz in Deutschland 2009 mit etwa 122 Milliarden Stück legaler Zigaretten auf dem Niveau von 2008. Allerdings fiel der Anteil der Markenzigaretten um 2 Prozent auf 86 Milliarden. Daran erkenne man eine „Tendenz zum preissensiblen Rauchen“. Die Zahl der „steuerfreien“ aber illegalen Schmuggelzigaretten in Deutschland schätzt der Konzern auf rund 24 Milliarden Stück.

Stefanie Backs

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