Ein gutes Jahr trotz globaler Finanzkrise

München - Obwohl die amerikanische Kreditkrise das Geschehen an den weltweiten Finanzmärkten dominierte, können Aktienanleger zufrieden mit dem Jahr 2007 sein. Der Dax konnte seit Jahresbeginn mehr als 22 Prozent zulegen und hat im Juli sogar sein Allzeithoch bei 8152 Zählern geknackt.

Die deutsche Aktie mit der besten Entwicklung war mit einem Gewinn von knapp 300 Prozent die World-of-Medicine AG. Erfreulich war auch die Nachricht, dass die Zahl der Aktionäre in Deutschland wieder steigt. Im ersten Halbjahr 2007 besaßen 4,3 Millionen Bundesbürger an der Börse gehandelte Unternehmensanteile.

Achterbahnfahrt

Nach einem fulminanten Jahresstart gab es bereits im Februar ein erstes Kursgewitter. Bis zur Jahresmitte erholten sich die Indizes hierzulande aber wieder deutlich. Antriebsfedern waren eine robuste Konjunktur, gute Unternehmensergebnisse, Übernahme- und Fusionsfantasien und eine sehr hohe Liquidität. Erst in der zweiten Jahreshälfte stand dann alles im Zeichen der Subprime-Krise. Die Märkte reagierten zwar besonnen, eine Achterbahnfahrt der Kurse ließ sich dennoch nicht verhindern. Ein Kurssturz wurde vor allem durch die Reaktionen der Notenbanken verhindert.

Der Dax

Der große Gewinner im Dax war die Aktie der Deutschen Börse AG, die seit Jahresbeginn rund 90 Prozent zulegen konnte. Das Unternehmen profitierte von den Kursturbulenzen an den Finanzmärkten und konnte 2007 hervorragende Zahlen melden. Auch ganz vorne auf der Gewinnerliste waren Volkswagen (+ 83%) und MAN (+ 60%), die beide durch Übernahmefantasien beflügelt wurden. Weniger erfreulich sah die Entwicklung der Bankwerte aus. Die Folgen der Subprime-Krise bedeutete für Hypo-Real-Estate (- 23%), die Deutsche Bank (- 14%) und die Commerzbank (- 10%) am Jahresende jeweils ein sattes Minus. Unerfreulich war die Bilanz auch für Infineon, die Aktie der Münchner musste fast ein Viertel ihres Wertes abgebenn.

Die Nebenwerte

Während die Nebenwerte-indizes MDax (+ 4%) und SDax (- 6%) ihren Höhenflug der letzten Jahre nicht fortsetzen konnten, glänzte der Technologieindex TecDax mit einem grandiosen Plus von 30 Prozent. Im Jahresverlauf konnte der Index kurzfristig sogar die magische Marke von 1000 Punkten überwinden. Grund für den starken Anstieg waren wie bereits im Vorjahr die Kurskapriolen der Solarwerte Solon, Q-Cells, Solarworld und Ersol. Kein Wunder also, dass der TecDax von vielen mittlerweile nur noch "Solar-Dax" genannt wird.

Die Top-Branchen

Die Top-Branchen waren im vergangen Jahr Autos, Chemie und Versorger. Alle drei konnten je ein Drittel zulegen. Hauptgründe für den deutlichen Gewinn waren glänzende Zahlen und Fusionsfantasien. Verlierer waren mit einem Minus von etwa zehn Prozent Banken, Technologie, Medien und Nahrungsmittel. Die US-Kreditkrise hat auch den im Vorjahr noch sehr erfolgreichen Immobilienaktien ein rotes Vorzeichen beschert.

Die Debütanten

Für Börsendebütanten war 2007 kein gutes Jahr. Insgesamt wagten 29 größere Firmen (Volumen über 10 Mio. Euro) den Schritt an die Börse. Zum Jahresende können sich davon nur sieben über eine positive Bilanz freuen. Durchschnittlich haben alle Neuemissionen 30 Prozent auf ihren höchsten Kurs verloren.

Die Weltbörsen

Trotz der Kreditkrise konnte sich der US-Leitindex Dow Jones mit einem Zugewinn von acht Prozent im vergangenen Jahr gut behaupten. Etwas besser liefen die Technologiewerte im Nasdaq-Index (+ 9%). Durch den schwachen Dollar können sich aber die Euroland-Anleger über ihre US-Aktien nur wenig freuen. Währungsbereinigt steht am Ende des Jahres sogar ein Minus vor der Performance.

In Europa hinkten die meisten Indizes der guten Entwicklung des deutschen Dax hinterher. Lediglich der finnische Aktienindex (+ 27%) war dem deutschen Leitwolf noch ein Stück voraus. Der Euro-Stoxx50 präsentierte sich mit einem Plus von sieben Prozent bei weitem nicht so erfolgreich. Enttäuschend war auch in diesem Jahr die Entwicklung des japanischen Nikkei, der knapp zehn Prozent seines Wertes verlor.

Börsen des Jahres

Die "Börse des Jahres" war mit einem Plus von 77 Prozent Peru. Der Höhenflug der peruanischen Aktien ist keine "Eintagsfliege". Seit Anfang 2004 legte der "Peru-Lima-General-Index" um mehr als 650 Prozent zu. Grund: Das Land profitiert stark von der weltweiten Nachfrage nach Rohstoffen. Auch im Index sind viele dieser Werte zu finden und haben zur positiven Entwicklung beigetragen. Auf Platz zwei und drei folgen China (+ 57%) und Indonesien (+ 52%). Die Rote Laterne des abgelaufenen Börsenjahres trägt mit einem Minus von 40 Prozent die Börse Venezuela.

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