Bewertung am Arbeitsplatz

Wie Sie an ein gutes Zeugnis kommen

Wird in der Firma umstrukturiert, wechselt der Vorgesetzte oder wackelt konkret der eigene Arbeitsplatz, sollten sich Beschäftigte rechtzeitig ein wohlwollendes Zwischenzeugnis sichern. Wir erklären, worauf dabei zu achten ist.

Die wichtigen Inhalte

Ob Zwischen- oder Abschlusszeugnis: Korrekt muss es sein, keine Fakten darf es unterschlagen. Und es darf dem Beschäftigten keine Steine in den Weg legen. Wer in einem mittleren bis kleinen Betrieb beschäftigt sei, dürfe seinen Chef beim Zeugnis-Schreiben ruhig unterstützen, ermuntert DGB-Expertin Perreng. Manche Arbeitgeber seien regelrecht froh, wenn der Mitarbeiter sich selbst kümmere, weiß auch Henn. In großen Unternehmen liege das Zeugnis-Schreiben dagegen in der Hand der Personalabteilung.

Wichtig ist in jedem Fall, sich Rat von Profis zu holen. Betriebsrat und Gewerkschaften helfen, ein Zeugnis auf mögliche Fallstricke abzuklopfen. Wer einen Fachanwalt drüberschauen lässt, zahlt für diese Erstberatung maximal 250 Euro. Die Rechnung lässt sich steuerlich absetzen.

Die geheimen Fallen


Ein Top-Zeugnis ist für das berufliche Fortkommen in der Regel sehr wichtig. Aber nur die wenigsten Laien können die Geheimsprache der Chefs und Personalabteilungen richtig lesen. Denn Arbeitszeugnisse klingen auf den ersten Blick immer prima. Doch oft ist zwischen den Zeilen knallharte Kritik versteckt. Vordergründig positive oder gar übertriebene Floskeln sind häufig gar nicht nett gemeint.

So deutet „Erfolg beim Delegieren“ auf einen Drückeberger im Job hin. Ein „toleranter Mitarbeiter“ kam nicht mit Vorgesetzten klar. Die Bemerkung „hat ein gesundes Selbstvertrauen“ soll signalisieren: Der Mann klopft Sprüche, um mangelndes Fachwissen zu überspielen. Dem „geselligen“ Arbeitnehmer wird verschlüsselt ein Alkoholproblem attestiert, dem „kommunikativen“ Geschwätzigkeit im Betrieb. Und wer sich „bemüht“ hat, die ihm übertragenen Aufgaben zu erledigen, kriegt unterm Strich die Note 6 verpasst.

In kleinen Betrieben kann es passieren, dass der Chef sich mit den Geheimcodes nicht auskennt – und völlig unabsichtlich negative Urteile festschreibt, weiß Perreng aus Erfahrung. Kleine Unsicherheiten können Riesenprobleme auslösen: Kümmerte sich ein Mitarbeiter beispielsweise „auch“ um Kundenwünsche, liest ein Personalchef in der Regel zwischen den Zeilen, er habe das zu wenig getan. Mögliche Konsequenz: Die Einstellungschance ist vertan.

Die nötige Korrektur


Fühlt sich ein Arbeitnehmer falsch beurteilt, sollte er umgehend auf Nachbesserung beim Chef pochen. Arbeitnehmer haben zwar keinen Anspruch darauf, dass ein Zeugnis einen gewünschten Wortlaut hat. Aber sie können erwarten, dass ihre Leistung der Wahrheit gemäß beurteilt wird, urteilte das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen: 9 AZR 12/03). Unterschlägt das Zeugnis etwa einen Teil beruflicher Tätigkeiten, muss eine Korrektur möglich sein. „In der Regel gehen die Arbeitgeber auf Nachbesserungswünsche auch ein“, so Henn.
Grundsätzlich gilt: Können dem Arbeitnehmer keine besonders schlechten Leistungen nachgewiesen werden, darf er eine durchschnittliche Bewertung erwarten. Dem entspricht etwa die Zeugnisformulierung, der Kollege habe „stets zu unserer Zufriedenheit“ gearbeitet, urteilte das Landesarbeitsgericht Köln (Az.: 11 Sa 255/99).

Von Berrit Gräber

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