"Es hätte 100 Mal mehr sein können"

- Düsseldorf - Scheinbar gelassen fertigen die drei Staatsanwälte Notizen. Vor ihnen steht Klaus Esser und rechnet mit ihnen ab. Fast drei Stunden lang. Der ehemalige Mannesmann-Chef geht mit den Anklägern so hart ins Gericht, dass ihn die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer deutlich ungehalten zur Mäßigung aufruft. Er verteidige sich lediglich, rechtfertigt sich Esser später vor Fernsehkameras. Zum Beginn der zweiten Verhandlungswoche im Mannesmann-Prozess lässt der einstige Konzernlenker keinen Zweifel zu: Er fühlt sich zu Unrecht vor Gericht gestellt.

<P>Die Staatsanwaltschaft betreibe mit "schlimmen Entgleisungen" eine Kampagne gegen ihn, behauptet der Manager. Alle 13 zentralen Behauptungen der Ankläger seien falsch. Daneben habe er 70 weitere unrichtige Behauptungen in den 460 Seiten Anklageschrift entdeckt. "Die Staatsanwaltschaft hat ein Jahr lang für richtig befunden, was sie nach einer Weisung von oben nun als Straftat darzustellen versucht", schimpft der wegen Beihilfe zur Untreue angeklagte Manager und spricht sogar von "plumpen Tricks" der Ermittler und der versuchten "Verführung von Zeugen". Das Ermittlungsverfahren sei für ein "Spiel mit Emotionen" missbraucht worden.</P><P>Die Anklage habe entlastendes Material unterdrückt. Die Ermittler hätten sogar die absurde Fälschungstheorie erfunden, er habe das Computersystem des Konzerns manipuliert. Dabei könne er gar nicht mit Computern umgehen. Esser hatte nach der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone insgesamt mehr als 60 Millionen Mark (rund 30 Mio. Euro) erhalten. Vorwürfe der Käuflichkeit wegen dieser Summe seien aber "ungeheuerlich".</P><P>"Es gab keinen gekauften Sinneswandel, es gab gar keinen Sinneswandel", sagt Esser. Canning Fok, der Vertreter des Hauptaktionärs Hutchison Whampoa, habe ihm die Zahlung einer Anerkennungsprämie von rund 30 Millionen Mark vorgeschlagen. "Ich habe Fok nicht um die Prämie gebeten, sondern im Gegenteil Bedingungen für deren Annahme gestellt." So habe er entgegnet, dass er das Geld nur von seinem Arbeitgeber annehmen könne und auch nur, wenn Vodafone dem zustimme. Zudem habe er vorgeschlagen, die Prämie mit seinen besten Mitarbeitern zu teilen.</P><P>"Hätte ich rechtliche oder sonstige Zweifel gehabt, hätte ich den Bonus nicht angenommen", unterstreicht Esser. Üblich sei ein 100 Mal größerer Anteil am Erfolg - nämlich ein Prozent. Er habe nur ein hundertstel Prozent der Wertsteigerung erhalten. "Was Fok vorschlug, war nur ein Bruchteil von dem, was ich bei einem Aktienoptionsprogramm erhalten hätte."</P><P>Und dann räumt Esser doch einen Fehler ein: Inakzeptabel sei es gewesen, dass Aufsichtsratschef Joachim Funk über dessen eigene Prämie abgestimmt habe. Er habe deswegen um eine interne und externe aktienrechtliche Prüfung gebeten. Danach sei entschieden worden, dass über die Prämie für Funk erst nach dessen Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat abgestimmt werden könne.</P><P>Und dann platziert Esser eines seiner wichtigsten Argumente: Weder das Unternehmen noch die Aktionäre seien durch die Zahlungen geschädigt worden. Durch den Kursanstieg hätten die Anteilseigner vielmehr riesige Gewinne gemacht. Die Staatsanwaltschaft habe sich im "Gestrüpp ihrer Unwahrheiten verheddert", behauptet Esser. Sein eigenes Verhalten dagegen während der Übernahme sei geprägt gewesen von "Distanz, Respekt, Pflichterfüllung".<BR><BR></P>

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