In Haferlschuhen springt Bayern auf das Trittbrett des WM-Zugs

- München - Es sind mächtige Zahlen: 25 Milliarden Euro setzt die Tourismusbranche in Bayern jährlich um, das Urlaubs-Business beschert dem Freistaat 340 000 Vollzeit-Arbeitsplätze. "Da kommt die deutsche Automobil-Industrie nicht ganz ran", sagt Richard Adam, Geschäftsführer der Bayern Tourismus Marketing GmbH. Nun will der Verband sein "Brot- und Buttergeschäft" erweitern - durch eine Kooperation mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Stichwort: "Fußball-Land Bayern".

<P>Haferlschuhe, Wadenstrümpfe, Lederhose - bei der Visualisierung ihrer Absichten auf Plakaten und im Internet setzen die Tourismus-Koordinatoren aufs Klischee. Adam weiß, dass das Motiv, das demnächst in ausländischen Fachzeitungen wie etwa der italienischen "Gazzetta dello Sport" geschaltet werden soll, den "seriösen Trachtler schmerzen könnte", doch entschuldigend erklärt er: "Zum Marketing gehört die Bildsprache. Andere Bundesländer wären froh, wenn sie ein so starkes Symbol wie die Lederhose hätten." Bayern ist das bislang einzige Bundesland, das eine Vertragsbeziehung zum Organisationskomitee (OK) der WM 2006 hergestellt hat.</P><P>Über knapp zwei Jahre gingen die Verhandlungen - nun darf sich die nicht-profitorientierte Bayern Tourismus Marketing (Vorsitzender: Minister Otto Wiesheu, Gesellschafter u. a. Flugplätze, Messen, IHK, Seilbahnenbetreiber, Skilehrerverband) aufs Trittbrett des WM-Zugs stellen.</P><P>"Die Sogwirkung und Dynamik dieses Events jetzt und heute aufgreifen", formuliert Adam als Ziel. Konkret: Vom eigentlichen Zeitfenster des Turniers (9. Juni bis 9. Juli 2006) erwartet man keine Zuwächse für den Tourismus in Bayern. Die Ticket-plus-Übernachtungspakete laufen allesamt über das WM-OK, und Adam fürchtet, "dass diese vier Wochen sogar touristisch kontraproduktiv sein könnten, weil die Leute sagen: Nach München und Nürnberg brauche ich nicht zu fahren, da ist eh alles voll."</P><P>Die interessantere Zeit sei die "vor und nach der WM. Für Jugend- und Sportreisen, für Kongresse und Tagungen. Wir haben schon jetzt Anfragen bis aus den USA und China." Bereits für das zweite Halbjahr 2004 erwartet Adam WM-motivierte Buchungen. Um Bayern als das Fußball-Ziel in Deutschland darzustellen, hat man 10 000 Tourismus-Betriebe angeschrieben. "Es soll sich die Meinung herausbilden, dass wir Bayern innovativer sind als der Rest Deutschlands."</P><P>"Vergesst die vier WM-Wochen" - diesen Satz muss Adam den Touristikern immer wieder predigen. "Das Thema 2006 macht die Leute verrückt, es gibt auch viel Verbalerotik dazu", sagt er. Aber: So gigantisch werde der reine WM-Besucherstrom nicht: "Es gibt nicht mehr als 3,2 Millionen Eintrittskarten, aus dem Ausland erwartet man eine Million Leute, und die werden sich überwiegend in den Spielstädten aufhalten." Und um die eine Million noch in Relation zu bringen: "Sie verteilt sich auf ganz Deutschland. Das Oktoberfest in München hat 7,2 Millionen Gäste."</P>

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