Haffas sollen 200 Millionen zahlen

- München - Auf dieses Wiedersehen mit dem einst von ihm gegründeten TV-Rechtekonzern EM.TV hätte der gefallene Vorzeigemanager Thomas Haffa wohl lieber verzichtet. Morgen beginnt vor dem Landgericht München ein von EM.TV angestrebter Zivilprozess gegen ihn und seinen Bruder Florian Haffa, beides Ex-Vorstände des Unternehmens, sowie dessen ehemaligen Aufsichtsratschef Nickolaus Becker. Oft geschieht es hierzulande nicht, dass Aktiengesellschaften ihre Manager belangen. Wegen der Höhe der Klagesumme ist der Fall besonders spektakulär. Es geht um rund 200 Millionen Euro Schadenersatz.

EM.TV wirft dem Trio geschäftsschädigendes Verhalten beim milliardenschweren Kauf von Anteilen der Formel 1 im Jahr 2000 vor. "Bei pflichtgemäßem Verhalten und Anlegen der erforderlichen kaufmännischen Sorgfaltspflicht hätten die Verträge über den Formel-1-Erwerb vom damaligen Vorstand nicht unterzeichnet werden dürfen", sagt EM.TV-Anwalt Stefan Rützel von der Frankfurter Kanzlei Gleiss-Lutz. Im Prozess, der bis zu einem Jahr dauern kann, wie Juristen schätzen, will er das beweisen. <BR><BR>Bereits rechtskräftig verurteilt sind die Haffa-Brüder zur Zahlung von zusammen 1,44 Millionen Euro, weil sie in ihrer Zeit als EM.TV-Chefs fehlerhafte Bilanzierung zu verantworten hatten. In letzter Instanz hatte der Bundesgerichtshof (BGH) dieses Urteil des Münchner Landgerichts vom April 2003 bestätigt und damit auf eine Straftat des Managerduos erkannt. Dieses Urteil in einem Strafprozess habe aber für die jetzige Zivilklage keine Bewandtnis, sagt Rützel.<BR><BR>Nun gehe es ausschließlich um den Formel-1-Deal. Dieser war der Höhepunkt einer Serie spektakulär gescheiterter und wieder rückgängig gemachter Zukäufe, die die Haffas im Rausch der allgemeinen Börseneuphorie vor einigen Jahren gewagt hatten. Damals war EM.TV in der Spitze mit weit über zehn Milliarden Euro höher bewertet als so manches Dax- Unternehmen und auf einem - wie sich ab Mitte 2000 herausgestellt hat - waghalsigen Expansionskurs. Als Bilanzmängel ruchbar wurden und die Blütenträume fast über Nacht zu Milliardenverlusten wurden, schrammte das Unternehmen knapp an der Pleite vorbei. Der neue Vorstandschef Werner Klatten, der zeitweise auch Großaktionär war, konnte es nur mühsam wiederbeleben.<BR><BR>Einsichtig sind die Beklagten indessen nicht. Weil er nun vor den Kadi gezerrt wird, wirft Ex-Aufsichtsratschef Becker dem neuen EM.TV-Chef "Ehrverletzung" vor.

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