Die Haftpflicht für den Hund

München - Egal ob Bello zuschnappt oder sich losreißt und vor ein Auto rennt, ein Unfall ist schnell passiert. Nicht nur Herrchen, auch Hunde sollten deshalb eine Haftpflichtversicherung haben. Die Policen unterscheiden sich teilweise erheblich – sowohl im Preis als auch in den Leistungen.

Die Haftpflichtversicherung gilt als eine der wichtigsten Versicherungen – nicht nur für Menschen, sondern auch für Hunde. Denn die sind in der Privathaftpflicht ihrer Halter nicht mitversichert. Doch längst nicht jeder Hundebesitzer schließt eine eigene Versicherung für sein Tier ab. Nur in drei Bundesländern – Berlin, Hamburg und Sachsen-Anhalt – ist die Versicherung für Hundehalter Pflicht. In den meisten anderen Bundesländern müssen zumindest manche als gefährlich geltende Rassen versichert werden. Den etwa fünf Millionen deutschen Hunden stehen deshalb nur 2,15 Millionen Versicherte gegenüber. Dabei kann es im Versicherungsfall schnell um erhebliche Summen gehen. Läuft der Hund zum Beispiel auf die Straße und verursacht einen Autounfall mit Schwerverletzten oder gar Toten, haftet der Halter des Hundes für den Schaden, der schnell in die Millionen gehen kann. Die Zeitschrift „Finanztest“ hat in ihrer aktuellen Ausgabe deshalb 82 Tarife von 59 Hundehalter-Haftpflichtanbietern unter Lupe genommen.

Die Preise sind sehr unterschiedlich

Untersucht wurden nur die Policen, die mindestens einen Schaden von bis zu drei Millionen Euro versichern. Die günstigsten Anbieter im Test waren der Basis-Tarif der Baden-Badener und der Max-Tarif der NV. Beide kosten 58 Euro pro Jahr. Am teuersten war laut „Finanztest“ die Signal Iduna mit 204 Euro. Allerdings gilt die Versicherung zu diesem Betrag für bis zu drei Tiere. Doch auch die Leistungen der Versicherer unterscheiden sich teils erheblich. Alle Policen haben gemeinsam, dass die Versicherungen auch bezahlen, wenn Herrchen oder Frauchen gegen Auflagen einer Gemeinde – wie zum Beispiel Leinenzwang oder Maulkorbpflicht – verstoßen haben. Schadensfälle, wenn jemand anders als der Halter mit dem Tier Gassi geht, sind ebenfalls in allen untersuchten Tarifen abgesichert. Eine weitere Gemeinsamkeit: Beißt ein Hund ein Mitglied der Halterfamilie, zahlt keine Versicherung.

Deckschäden und Welpenschutz

Hier enden die Gemeinsamkeiten. Zumindest noch in den meisten Policen versichert sind sogenannte Deckschäden. Wenn ein Vierbeiner im Liebesrausch eine Rassehündin schwängert, kann der Schaden für den Halter des Rassetiers schnell einige tausend Euro betragen. Dafür muss der Halter des Hundevaters aufkommen – oder eben seine Versicherung. Für Besitzer von Hundeweibchen kann hingegen der sogenannte Welpenschutz sinnvoll sein. Einige Versicherungen bieten an, dass die Welpen des versicherten Tiers zumindest in den ersten Monaten nach der Geburt über die Police des Muttertieres mitversichert sind.

Mietsachschäden sollten versichert sein

Für alle Halter sinnvoll – nicht nur für Mieter – ist laut „Finanztest“ eine Police, die Mietsachschäden einschließt. Denn auch Hunde, die normalerweise in den eigenen vier Wänden wohnen, können unter Umständen Schäden an Mietsachen verursachen. Wenn der Halter mit seinem Hund zum Beispiel im Hotel oder in einer Ferienwohnung übernachtet und das Tier dort einen Schaden verursacht, beispielsweise das teure Parkett im Hotelzimmer zerkratzt, zahlt die Versicherung nur, wenn Mietsachschäden abgedeckt sind. Schäden die durch die dauerhafte Abnutzung an einer Mietwohnung entstehen muss laut „Finanztest“ immer der Halter selbst zahlen. Das gehe aus einem Urteil des Amtsgerichts Köln hervor (Az.139 C580/07). Die Richter entschieden, dass es kein Fall für die Hundehaftpflichtversicherung ist, wenn ein Tier über einen langen Zeitraum Türen und Tapeten in der Mietwohnung beschädigt. Das hätte die Halterin unterbinden müssen.

Für Kampfhunde wird Versicherung teuer

Beim Thema Versicherung ist Hund aber nicht gleich Hund. Jagdhunde müssen beispielsweise über eine Jagdhaftpflicht versichert werden. Kompliziert und unter Umständen teuer wird es für Besitzer von Hunderassen, die als gefährlich gelten. Denn längst nicht jede Versicherung nimmt sogenannte Kampfhunde auf. Andere Anbieter verlangen teils saftige Aufpreise, wenn sie einen Bullterrier oder einen Pitbull-Terrier versichern sollen. Bei der HanseMerkur müssen Besitzer dieser Rassen laut „Finanztest“ beispielsweise das Doppelte des normalen Tarifs bezahlen. Aber es gibt auch Versicherungen, die keinen Aufpreis verlangen: im Test waren das die Allianz, die DEVK und die Haftpflichtkasse Darmstadt. Tierschützer empfehlen die Haftpflichtversicherungen für Hunde dringend. Ein Sprecher des Tierschutzbundes sagte der Zeitschrift, er halte auch eine gesetzliche Versicherungspflicht für sinnvoll.

Von Philipp Vetter

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